INITIATIVEN: Förderbescheid sorgt für Freudensprünge

Dem Wiederaufbau der Putlitzer Kirchturmspitze steht nichts mehr im Weg

PUTLITZ - Die Reihe der Freudensprünge über den jetzt erteilten Fördermittelbescheid für den Wiederaufbau der Putlitzer Kirchturmspitze begann in dieser Woche am Postkasten des Putlitzer Pfarrers. "Die Zusage aus Neuruppin ist da. Wir bekommen 85 000 Euro", informierte Volkhart Spitzner anschließend alle Mitstreiter. Der Brief kam vom Brandenburger Landesamt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Neuruppin, wo über die Fördermittelvergaben befunden wird.

"Ich hätte einen Hochsprungweltrekord aufgestellt, hätte das einer gemessen", freut sich Bürgermeister Bernd Dannemann. "Das ist Ostern, Weihnachten und Geburtstag in einem, und zwar nicht nur für die Kirche, sondern für die gesamte Stadt", sagt er im Hinblick auf die wiederherzustellende Silhouette. Dennoch dürfe man nicht aus dem Blick verlieren, dass noch viel Geld nötig ist für Randarbeiten, die nicht förderfähig sind, gibt er zu bedenken. Damit es aufgebracht werden kann, wird der Förderverein zum Wiederaufbau der Kirchturmspitze "weiterhin gefragt sein", sagt der Vorsitzende Klaus Pirow: "Ich habe einen Freudensprung gemacht, doch es gibt noch viel zu tun."

Von den Gesamtkosten in Höhe von rund 140 000 Euro sind etwa 113 000 Euro zu 75 Prozent förderfähig. Diese 85 000 Euro aus Neuruppin sind es, mit denen nun gerechnet wird. Den Rest müssen die Landeskirche, der Kirchenkreis Havelberg-Pritzwalk und die Kirchengemeinde Putlitz als Bauherr aufbringen. Den nicht unbeachtlichen Teil für nicht förderbare Dinge innen die Treppe, obendrauf die Turmzierde oder die noch Instand zu setzende Kirchturmuhr unterstützt der Spenden sammelnde Förderverein.

Die Initiative für den Wiederaufbau mit der anschließenden Vereinsgründung ist erst im Frühjahr vorigen Jahres von Pfarrer Spitzner eingeleitet worden, genau 20 Jahre nach dem Abbruch der alten, maroden und kaum mehr zu rettenden Turmspitze im Jahr 1988. "Für die Wiederaufbau-Initiative war 2008 der richtige Zeitpunkt", sagt Spitzner rückblickend. "Leute waren da, die mitziehen. Und Gottvertrauen", sagt der Pfarrer, dem es um viel mehr geht als nur um das besondere und deshalb auch mit ILE-Mitteln förderbare Gebäude. Spitzner geht es darum, "was es ausstrahlt".

Im kommenden Jahr hätte die erst 1910 aufgesetzte Spitze Jubiläum gehabt. Nun wird nach 100 Jahren eine neue die Kirche krönen, und zwar aus Holz, das der spendablen Adelsfamilie zu Putlitz zu verdanken ist. Erst in diesem Winter eingeschlagen und geschnitten, trocknet es nun schneller als vermutet.

"Nach der Vorbereitung beginnt jetzt die zweite Halbzeit, die Durchführung", sagt Volkhart Spitzner. Der federführende Gemeindekirchenrat erstellt den Zeitplan. Die entsprechende Erfahrung bringt das Ingenieurbüro Seemann aus Hoppegarten bei Berlin ein, das schon zahlreiche Kirchtürme gerettet hat. Der Pfarrer rechnet damit, dass noch in diesem Jahr mit den Arbeiten begonnen werden kann. Die Förderung sei deshalb auch auf zwei Jahre gesplittet. Schon im September 2010 soll die Spitze wieder über Putlitzer Dächer ragen. (Von Matthias Anke)

Märkische Allgemeine vom 29. Mai 2009

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