Frauenhorster wollen ihre Kirche retten

Frauenhorst In der alten Dorfkirche in Frauenhorst bröckelt allmählich der Putz von der Decke. Einmal im Monat wird dort noch Gottesdienst abgehalten, allerdings fehlt im Gebetsraum seit einiger Zeit der wertvolle Altar aus dem 16. Jahrhundert.

Frauenhorster Kirche 
Wer die Schönheit der Frauenhorster Kirche genießen will, sollte den Kopf bedecken, denn von oben bröckelt der Putz. Doch auch darüber hinaus stehen einige Arbeiten an dem Gotteshaus an. Beim Fest soll Geld für die Sanierung eingenommen werden.
Foto: gü

Zu hoch sei das Risiko, dass der edle Schrein aufgrund des schlechten Zustands der Kirche Schaden nimmt. Deshalb wird er nach Abschluss seiner Restaurierung vorerst im Gotteshaus in Herzberg untergestellt. Damit er bald in die Kirche zurückkehren kann, sollen nun endlich die notwendigen Baumaßnahmen in Angriff genommen werden. "Es ist noch nicht zwölf", sagt Iris Nieke vom Kirchenrat, "aber später als fünf vor zwölf."

Dabei ist die Kirche eine echte regionale "Perle". Die Mauern bestehen vollständig aus Raseneisenstein, einer in der Region sehr seltenen Baumaterie. Aber für die dringend erforderliche Sanierung fehlt es an Geld. Dabei versuchen die sechs Mitglieder des Kirchenrats schon seit Jahren, Fördermittel zu erhalten. Bei der Deutschen Denkmalstiftung, der Sparkasse, dem Land und dem Kirchenkreis haben sie es schon versucht bisher vergeblich. Mit voranschreitender Zeit verschlechterte sich auch der Zustand der Kirche, die aus dem 14. Jahrhundert stammt.

Zuerst muss der Ostgiebel saniert werden, dort tritt Feuchtigkeit durch die Wand. Drei der Deckenbalken müssen voraussichtlich ersetzt werden, und die Wand aus Raseneisenstein ist von außen zu sanieren.

57000 Euro würde das Vorhaben kosten, hat ein erster Kostenüberschlag ergeben, und das wären nur die ersten Baumaßnahmen. Danach müsste dringend etwas an den Fenstern, Schallluken und dem Turm gemacht werden.

Ohne Fördergelder und weitere finanzielle Hilfen wird die Sanierung der Kirche schwierig, denn Einnahmen kommen lediglich aus der Kirchensteuer und der Gemeindesteuer zusammen. Bereits für die Restaurierung des Altars hat die Kirchengemeinde mit 4000 Euro Eigenanteil getragen. Aber der engagierte Kirchenrat hat in den letzten Jahren schuldenfrei gewirtschaftet. Im März des vergangenen Jahres veranstalteten die sechs Mitglieder eine Straßensammlung für die Altarrestaurierung. "660 Euro kamen bei 130 Einwohnern zusammen", erzählt Jutta Bachmann, die Vorsitzende des Kirchenrats. "Fast jeder Haushalt hat etwas gegeben, auch die, die gar keine Kirchengänger sind. Das hat uns sehr beeindruckt." Die Kirche, die jeden Abend den Feierabend einläutet, sieht sie auch als einen Mittelpunkt des kleinen Ortsteils. "Die Leute haben ein Interesse daran, dass sie erhalten bleibt", sagt Jutta Bachmann. Hinter dem Friedhof verläuft gleich der Elsterradweg; die denkmalgeschützte Kirche mit dem charakteristischen Zwiebelturm könnte ein Anziehungspunkt für Interessierte aus der Region werden.

Deswegen hat der Kirchenrat für den Erhalt der Kirche ein Kirchenfest organisiert, bei dem Geld für die Sanierung gesammelt und das Augenmerk auf das Projekt gelenkt werden soll. Am Sonntag eröffnet ein Gottesdienst um 14 Uhr das Programm. Anschließend gibt es auf dem Platz vor der Kirche Kaffee und Kuchen. Für die Kleinen gibt es Spiele, und für die Großen treten die Herzberger Comedians auf. Kutsch- und Quadfahrten werden angeboten. Später kommen das Schwein am Spieß und die Bratwürste übers Feuer. Bereits jetzt hat das Kirchenfest zahlreiche Förderer. "Servietten, Spielzeug, die Zelte, all das wurde uns schon kostenfrei bereitgestellt", sagt Jutta Bachmann. "Die Stadtbrigade wird hinterher aufräumen."

Die ehrenamtlichen Helfer des Kirchenrats hoffen auf zahlreiche Spenden und einige Sponsoren, die ihr Projekt Kirchensanierung mittragen wollen. "Denn Kirche ist soziales Denken", sagen Iris Nieke und Jutta Bachmann. So wird stets ein Teil der Kollekte an gemeinnützige Projekte für den guten Zweck weitergegeben. Am Sonntag ist nun die alte Dorfkirche auf die Hilfe von Anderen angewiesen.

Von Susanne Thams

Lausitzer Rundschau vom 05. Juni 2009

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