KIRCHE: Altar vor 630 Jahren feierlich geweiht

St. Peter und Paul hat Jubiläum / Mauerwerk muss dringend saniert werden

WUSTERHAUSEN - Auf ein stolzes Alter kann die Wusterhausener Stadtkirche zurückblicken. Manche sprechen vom "Dom", wenn sie sie meinen. Doch das kann sich höchstens auf ihre Größe beziehen. Ein Dom also eine Bischofskirche war die Wusterhausener nie.

Am St. Peter- und Paulstag, dem 29. Juni 1479, fand die feierliche Altarweihe statt. Vorausgegangen war dem eine 40-jährige Umbautätigkeit. Eine Inschrift im Chorgewölbe besagt, dass fünf Jahre vorher, also 1474, die Einwölbung abgeschlossen war. Ursprünglich besaß Wusterhausen eine kleine spätromanische Basilika, etwa im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts erbaut, doch schon mit der Option einer späteren Erweiterung. Als man die zwei Jahrhunderte später in Angriff nehmen konnte, war Romanik out und Gotik in. Da die Wusterhausener inzwischen seit 1232 oder 1233 das Stadtrecht besaßen und durch den blühenden Salzhandel zu Wohlstand gelangt waren, gingen sie gleich ganz groß ans Werk und bauten die Basilika zur dreischiffigen gotischen Hallenkirche um, für eine so kleine Stadt eigentlich eine Nummer zu groß. Aber sie war niemals überflüssig, weder als Wahrzeichen der Stadt noch als Versammlungsort der Gemeinde. Damit jeder seinen Platz dort fand, wo er hingehörte, wurden Emporen für bestimmte Stände eingebaut. Prominente Bürger oder solche, die sich dafür hielten konnten im Kirchenschiff vererbbare Plätze erwerben, die kein anderer einnehmen durfte. Superintendent Pfeiffer beklagt sich 1877 über das "Vermiethen der Kirchensitze an solche, welche sie im ganzen Jahre kaum ein und das andre Mal benutzen, und für welche sie darum Sonntag für Sonntag leer stehen bleiben".

1541 wurde St. Peter und Paul evangelisch. Das erfolgte auf kurfürstliche Anweisung auf dem Verordnungswege. Eine Kommission nahm eine "Visitation" vor, bei der eine Bestandsaufnahme von Immobilien, Ländereien und Vermögenswerten erfolgte. Dann wurde Wusterhausen für evangelisch erklärt. Voraussetzung war der 1539 erfolgte Übertritt des Kurfürsten Joachim II zum lutherischen Bekenntnis. Doch der Konfessionswechsel ging in Brandenburg überwiegend "sanft" vonstatten. In Wusterhausen sollen die zwölf Nebenaltäre noch jahrzehntelang für Privatmessen in Gebrauch geblieben sein. Der katholische Ritus hielt sich noch lange, bis er ausstarb, weil er "unmodern" geworden war.

Durch die Reformation wurde der erste Geistliche an St. Peter und Paul Oberpfarrer und Inspektor bzw. Superintendent des Kirchenkreises. Das blieb so bis 1966. Dann wurden die Kirchenkreise Kyritz und Wusterhausen zusammengelegt und die Superintendentur in Wusterhausen aufgelöst.

St. Peter und Paul war und ist Wahrzeichen der Stadt. Mit dem hohen Dach und dem seit 1764 verkürzten Turm wirkt das Gotteshaus wie eine Glucke, die ihre Küken um sich schart. Generationen haben sich mit ihrem Geschmack und ihren Möglichkeiten am und im Bau verewigt. Die einzelnen Sehenswürdigkeiten schaut man sich am Besten bei einem Kirchenbesuch selbst an. Seit der Generalrestaurierung 1964 bis 1972 ist die Kirche wieder sehenswert. Doch der Zahn der Zeit nagt weiter. Jetzt ist es das Mauerwerk, das dringend der Sanierung bedarf.

Um St. Peter und Paul zu pflegen und zu erhalten, wird viel Geld und Engagement gebraucht. Die Kirche gehört ja schließlich nicht nur ein paar Auserwählten, sondern allen Wusterhausenern. Sie können stolz auf "ihre" Kirche sein, und sie können das bekunden, indem sie ihr Gotteshaus nicht nur von Weitem beschauen und allenfalls die Turmuhr brauchen, sondern ihr Interesse auch aktiv bekunden nicht zuletzt auch durch Spenden.

Im 122. Psalm heißt es: "Wünschet Jerusalem sprich: Wusterhausen Glück! Es möge wohl gehen denen, die dich lieben. Es möge Friede sein in deinen Mauern. Um des Hauses des Herrn willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen." 530 Jahre sind ein stolzes Alter. "Happy Birthday, St. Peter und Paul!" (Von Karl-Ernst Selke)

Märkische Allgemeine vom 29. Juni 2009

   Zur Artikelübersicht