SANIERUNG: Turm erhält Kreuz und Kugel

Gemeinde Stahnsdorf engagiert sich mit 50 000 Euro in Güterfelde

GÜTERFELDE - Dem Himmel ganz nah so konnte sich Güterfeldes Pfarrer Helmut Kulla gestern in mehrfacher Hinsicht fühlen. Hoch oben auf dem Baugerüst, das sich derzeit um die Turmspitze der Dorfkirche legt, hatte er einen weiten Blick ins Land hinein. Potsdam und Berlin waren gut zu erkennen, aber auch das Dorfensemble, das sich um die Achse Kirche-Schloss herumgruppiert.

Kurz zuvor war zudem ein finanzielles Hochgefühl aufgekommen. Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) überbrachte einen gemeindlichen Zuwendungsbescheid über 50 000 Euro. Damit kann ein Teil der Kosten für die laufende Kirchturmsanierung gedeckt werden, die sich insgesamt auf rund 175 000 Euro belaufen.

"Pfarrer Kulla hatte bereits bei meinem Vorgänger Gerhard Enser angefragt, ob die weltliche Gemeinde sich finanziell an der Kirchensanierung beteiligen könnte", so Albers. Er sei sich dann auch mit den neuen Gemeindevertretern einig gewesen, "dass die Güterfelder Kirche als ortsbildprägendes Gebäude" jede Hilfe verdient habe. Auch für 2010 dann stehen Arbeiten am Kirchenschiff an stellt die Gemeinde Geld zur Verfügung. Mit den 25 000 Euro wäre dann bereits ein Viertel der veranschlagten 100 000 Euro gesichert.

Pfarrer Kulla revanchierte sich gestern für die kommunale Hilfe. Er und Bürgermeister Albers unterschrieben eine "Vereinbarung", nach der das Pfarrhaus ein Mal im Jahr kostenfrei für Sitzungen von Gemeindevertretern oder anderer Gremien zur Verfügung steht. Kulla sieht darin auch eine gute Chance für die Abgeordneten, den Ortsteil und seine Probleme besser kennen zu lernen.

Die Güterfelder Dorfkirche stammt aus dem 13. Jahrhundert. Mit ihrem mächtigen Turm gehört sie zu den markantesten Gotteshäusern in der Region. Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg wurden in den 1960er und 1970er Jahren unsachgemäß geflickt. "Das wichtigste war erst einmal, das Dach dicht zu bekommen", erzählt Kulla, der seit 1976 den Pfarrsprengel betreut. Vor zwei Jahren startete die Generalsanierung. Der Innenraum erhielt sein ursprüngliches Aussehen zurück, spätere Zutaten wurden entfernt. So kann der Besucher jetzt wieder die gusseisernen Stützen bewundern, die früher hinter einer Holzverschalung versteckt waren. Rund 60 000 Euro, ein Teil waren Spenden, kostete dieser erste Schritt.

Der Turm soll nun wieder eine Schieferbedeckung erhalten, faule Holzbalken des Innengerüstes werden ausgewechselt. Außerdem sind Maurer gerade dabei, die Fugen zwischen den Feldsteinen "auszuzwickeln", wie das Verfüllen im Fachjargon heißt. "Es ist besonders bewegend, dass die Turmspitze wieder den Aufnehmer mit Kreuz und Kugel erhält", sagt Kulla. Wenn dann im kommenden Jahr das Kirchenschiff in Angriff genommen wird und Ende 2010 mit der originalen Biber-Eindeckung des Daches die Sanierung komplett abgeschlossen ist, dann sind rund 330 000 Euro verbaut worden. (Von Jürgen Stich)

Märkische Allgemeine vom 09. Juli 2009

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