SANIERUNG: Grünes Licht für offenen Ort der Begegnung

Gemeinde Bensdorf will für Innenrenovierung der Woltersdorfer Kirche den Förderantrag stellen

WOLTERSDORF - Die Gemeinde Bensdorf wird einen Förderantrag über die Integrierte ländliche Entwicklung (ILE) für die Innenrenovierung der Woltersdorfer Kirche stellen und die Kofinanzierung übernehmen. Diesen Grundsatzbeschluss haben die Volksvertreter am Montagabend in geschlossener Sitzung nach einstündiger Diskussion gefasst. Es gab eine Gegenstimme. Das sagte Bürgermeister Udo Krüger gestern auf Nachfrage.

Voraus ging eine öffentliche Besichtigung der fast 200 Jahre alten Dorfkirche, deren Hülle mit Hilfe von Fördermitteln aus dem Staat-Kirche-Vertrag und Spenden in den letzten Jahren für 230 000 Euro saniert wurde. Für die noch ausstehende Innenrenovierung sind 140 000 Euro veranschlagt. Die Förderung läge bei 70 Prozent. Wie berichtet, wird im Ortsteil Woltersdorf eine Räumlichkeit benötigt, die für kirchliche und weltliche Veranstaltungen genutzt werden kann. Da weder die Kirchengemeinde noch der Förderverein als Antragsteller über ILE fungieren können, springt die Kommune ein. "Es ist ein klein gehängtes Projekt ohne Orgel und Gemälde", betonte Vereinschef Helmut Scheer bei der Führung. Neben notwendigen Instandsetzungen sollen die getrennt nutzbaren Räume in der Kirche durch eine transparente Glas-Stahl-Konstruktion optisch vereint werden. Die Rohrputzdecke war bereits im vorigen Jahr denkmalgerecht angebracht worden.

"Wir brauchen eine größere Veranstaltungsmöglichkeit, eine andere Alternative haben wir nicht", sagte Krüger, der sich nach dem Vorbild des Ribbecker Gotteshauses für diese Lösung stark gemacht hat. Auch Gemeindevertreter Herbert Rost bat die "noch Wankelmütigen" um Zustimmung. Die Kirche sei das älteste Bauwerk im Ort und Mittelpunkt des Dorfes. "Wenn diese Förderchance nicht wahrgenommen wird, ist sie irgendwann nicht mehr nutzbar", befürchten Älteste. Man will sich öffnen. Vor fünf Wochen habe es die erste weltliche Trauerfeier nach der Wende in diesem Gotteshaus gegeben. Christel Bugdol musste wegen des zu kleinen Sargraums nach dem Tod ihres Mannes noch nach Wusterwitz ausweichen. Die Woltersdorfer Kirche, die zu DDR-Zeiten von Leuten aus dem Dorf vor dem Verfall gerettet wurde, soll zum offenen Ort für Begegnungen werden und von Mai bis Oktober für Touristen zur Besichtigung geöffnet sein. Kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Ausstellungen, Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Senioren, Turmbesteigung seien denkbar. Wie Krüger erklärte, sollen nun die Nutzungsvereinbarung mit der Kirche über mindestens 15 Jahre unterschrieben und das detaillierte Nutzungskonzept beim Landesamt in Brieselang eingereicht werden. Dort habe man eine zügige Bearbeitung signalisiert, so dass der Förderbescheid ein Weihnachtsgeschenk sein könnte.

"Super", so Scheer gestern, der auch den SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Kuhnert eingeschaltet hatte. "Es sind echte Gemeindevertreter. Sie haben beschlossen, was die Gemeinde möchte." Von etwa 390 Woltersdorfer sind 294 nicht in der Kirche. (Von Claudia Nack)

Märkische Allgemeine vom 15. Juli 2009

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