KIRCHE: Die barocke Pracht blättert langsam ab

Niebendorfer sammeln für die Restaurierung des großen Altars

NIEBENDORF - An einem Kleinod nagt der Zahn der Zeit. Mit ihren Feldsteinmauern fällt die Niebendorfer Kirche auf dem Anger hinter den Bäumen kaum auf. Sie hat auch keinen Turm, der über die Wipfel hinausragen könnte. Die Glocken hängen in einer Holzpyramide vor dem Eingang der wahrscheinlich 700 Jahre alten Kirche.

Innen ist das Gotteshaus weitaus jünger. Auf das 18. Jahrhundert datiert das Landesamt für Denkmalpflege die barocke Holzausstattung. "Sie ist von überdurchschnittlich guter Qualität", heißt es in einem Gutachten aus dem vorigen Jahr. Betont werden das aus Holz gefertigte Zierblattwerk, die gewundenen Weinlaubsäulen und die Schnitzfiguren ebenso wie die gemalten Bibeldarstellungen am Altar oder an der Holzdecke.

Gern zeigen der Niebendorfer Kirchenrat und Pfarrer Joachim Bökels einem Besucher die bescheidene Pracht bei Gottesdiensten, Konzerten, Festen oder Besichtigungen. Doch sie haben auch Sorgenfalten. Zahlreich sind die großen und kleinen Beschädigungen an der Ornamentik. "An den Emporen sind Säulen weggebrochen. Dem Pelikan auf der Kanzel fehlt ein Flügel. Die Sonne auf dem Altar hat einige Strahlen verloren", kann der Niebendorfer Gerd Queißer aus dem Stegreif aufzählen, "das können wir nicht selbst ausbessern."

In Eigeninitiative wurde aber der Dachboden vom Unrat befreit. "Wenn wir hier sauber gemacht haben, merkten wir, wie der Schmutz von oben durch die Ritzen in der Decke rieselte", berichtet Gertrud Lehmann vom Gemeindekirchenrat. "Da lag der Schutt von mehr als 100 Jahren", ergänzt Gerd Queißer. Bei den drei Arbeitseinsätzen kamen kleine Schätze zum Vorschein: Fragmente von hängenden Taufengeln.

Nächstes Ziel ist die Restaurierung des großen Altars. Seine Malereien haben schon zahllose weiße Flecken. "Holz und Farbfassung sind vom fortschreitenden Verfall bedroht", sagen die Denkmalpfleger. Ein Kostenvoranschlag für die Restaurierung beläuft sich auf 19 000 Euro. Einige Fördermittel- und Spendenzusagen gibt es bereits. Eine Sammelaktion im Dorf brachte kürzlich rund 2900 Euro. "Davon sind 900 Euro aus Heinsdorf", berichtet Gerd Queißer. Das freue ihn besonders, weil die Heinsdorfer am Aufbau der eigenen Kirchenruine arbeiten. Nun sei er "optimistisch, dass wir das Geld für den Altar in diesem Jahr zusammen bekommen".

Kontakt: Pfarramt in Petkus, 03 37 45/5 02 12. Am 13. September ist die Kirche von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Um 16 Uhr gibt es ein Konzert. (Von Alexander Engels)

Märkische Allgemeine vom 01. August 2009

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