KIRCHE: Exponate bilden das Gemeindeleben ab

Das Sperenberger Gotteshaus ist fast täglich geöffnet und Pfarrer Andreas Hemmerling erfüllt auch spontan geäußerte Wünsche

Sperenberg 
Hell und freundlich sieht die Sperenberger Kirche seit der Sanierung aus. Auch innen.
FOTO: MAZ/BEHRENDT

SPERENBERG - Die Dorfkirche in Sperenberg steht direkt auf dem Friedhof und ist saniert. Der neue Anstrich und die großen Fenster wirken einladend. Dieser Einladung kann seit Pfingsten sogar fast täglich gefolgt werden. Für die Kirche wurde eine Mehraufwandsentschädigung (MAE) bewilligt. Von Montag bis Sonnabend ist das Gotteshaus nun von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

Bei der Frage, ob auch der Kirchturm zu betreten ist, saust eine junge Frau mit den Worten davon: "Da frag ich den Pfarrer. Der wohnt nur zwei Häuser weiter." Andreas Hemmerling kommt auch sofort und stellt nur eine Bedingung: "Sie müssen versprechen, nicht hinzufallen." Bis zur Empore führen sehr gute Steinstufen. Aber dann ist der Aufstieg steil und unbequem. Immer schmaler werden die Stufen. Einen Ausblick gibt es nur auf der ersten Ebene. Darüber sind zwar vier Öffnungen, aber die dienen den Rückseiten der vier Zifferblätter der Turmuhr. Ende 1997 wurde die Sanierung der Uhr unter Pfarrer Hans-Joachim Plikat abgeschlossen.

Wenn Sturm und Regen gegen das Gebälk toben, ist es ungemütlich im Halbdunkel des Turms. Ab und zu fallen dann auch Schieferdachsteine vom Turm. Von der Reparatur vor vier Jahren sind sogar Bilder im Internet zu sehen.

Im Turm sind auf den Ebenen bis zum Glockenstuhl Löcher im Boden und in der Decke, eingefasst in der Keramik, die von Isolatoren bekannt ist. "Dadurch gingen früher die Seile zum Läuten der Glocken. So musste man nicht immer bis nach oben laufen", erläutert Andreas Hemmerling.

Heute werden die beiden Glocken natürlich elektrisch geläutet. Eine ist beim Aufstieg gut von oben zu sehen. Zuvor lohnt der Blick auf den Dachstuhl. "Mitte der sechziger Jahre wurde er erneuert", sagt der Pfarrer. Die Konstruktion gibt dem großen Gestühl etwas Leichtes.

Hemmerling ist seit 2004 Pfarrer an dieser Kirche, die zu der Zeit bereits saniert war. Zur 250-Jahr-Feier 2003 bekam der graue Koloss eine Verjüngungskur. Wenn Hemmerling Zeit hat, lässt er kurz die Orgel erklingen. "17 Sekunden dauert es, bis der Balg so aufgepumpt ist", sagt er und meint die Zeit, bis dem Instrument gut anzuhörende Töne zu entlocken sind. Bei den Kraftvollen vibriert es auf der Empore unter den Füßen.

Das Innere der Kirche ist sparsam möbliert; die Farben hell und freundlich. Zu sehen ist dennoch viel. An den Wänden hängen Tafeln, die über das Gemeindeleben und den Saalbau von 1753 nach Plänen des Landbaumeisters Georg Friedrich Berger informieren.

Über das Gemeindeleben ist zu erfahren, dass gute Kontakte zur Partnergemeinde in Wollbach gepflegt werden. Fotos erinnern an die Chorausflüge seit 1960, an die Kinder- und Jugendarbeit, aber auch an bereits Verstorbene, die sich mit ihrem Engagement Verdienste erworben haben. Selbst Bilder der Kindergottesdienste aus Kriegs- und Nachkriegsjahren werden ausgestellt. Einige davon dürften auch Ende der fünfziger Jahre noch in Umlauf gebracht worden sein. In einer Ecke steht ein Kruzifix mit dem Vermerk der Kirchgemeinde Sperenberg, dass sie es dem "verehrten Pastor Mücke in Anerkennung seiner 25-jährigen Wirksamkeit in hiesiger Parochie" am 1. August 1900 überreicht hat.

Eine aktuelle Gabe liegt seit Juli 2009 auf dem Altartisch. Helga Schulze hat das Altartuch mit Lochstickerei in Handarbeit verziert und der Kirche geschenkt. Für frische Blumen sorgen vor allem Heide Wenzlawiak und Ingeburg Kühn. Die Kirche ist im Vergleich zu anderen noch nicht alt. Doch schon sieben Jahre nach dem Bau wurde sie in Mitleidenschaft gezogen, als am 6. Juli 1760 der Blitz eingeschlagen hatte.

Etwa so alt wie das Gotteshaus ist der Maulbeerbaum links vom Haupteingang. Sein Stamm ist bereits zerborsten; dennoch trägt der Baum sein grünes Laub. Zum Glück ohne die weißen Seiden- und andere Raupen. Neben der Trauerhalle steht eine Bank, auf der kann sich der Besucher auf die Stimmung des Ortes einlassen.

Wer außerhalb der Öffnungszeiten kommen möchte, kann im Pfarramt anrufen unter 03 37 03/72 16 oder vorbeikommen und in der Karl-Fiedler-Straße 14 auf gut Glück klingeln. (Von Gertraud Behrendt)

Märkische Allgemeine vom 27. August 2009

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