RELIGION: Die Rückkehr des sakralen Zweiklangs

Grebser Kirche erhält zweite Glocke

GREBS - Willi Insel ist gespannt wie ein Flitzebogen. Voraussichtlich Mitte Oktober tönt das Geläut der Grebser Kirche im Zweiklang. Unlängst in Lauchhamer gegossen, soll die neue große Glocke in wenigen Wochen in den Turm am Dorfanger eingesetzt werden. Ortsvorsteher Insel ist nicht der Einzige, der dem neuen Klang erwartungsvoll entgegensieht. In Grebs gibt es inzwischen niemanden mehr, der sich an das Schlagen von zwei Glocken erinnern kann vor 92 Jahren wurde die große Glocke auf Befehl des Kaisers herausgeholt und für die Rüstung eingeschmolzen.

Kaum war der Weltkrieg 1918 vorbei, mühten sich die Grebser um einen Ersatz. In den 20er-Jahren kamen Glocken aus Stahl in Mode. Damals scheiterte der Versuch an den Kosten. "Zum Glück", sagt Pfarrer Anselm Babin. "Denn heute wissen wir, dass sich Stahl für Glocken nicht eignet." Der Klang sei nicht schön. "Außerdem halten sie oft nicht länger als 100 Jahre." Bronze ist da anders. Die kleine Grebser Glocke ist 1594 gegossen worden und ist gut in Schuss.

Heute gießt man wieder in Bronze. Zusammen mit zwei weiteren Geläuten wurde die 368 Kilo schwere Grebser Glocke am 10. Juli gegossen. "Das war ein ganz besonderer Moment", erinnert sich Babin, der mit einer Delegation aus Grebs nach Lauchhammer gefahren war.

Rund 13 500 Euro koste die ganze Aktion. Allein die Glocke schlage mit 8000 Euro zu Buche. 4000 Euro koste es, das gute Stück einzusetzen. Das Gebälk braucht eine Erneuerung. Ein Maurer muss eines der Schalllöcher vergrößern. Firma Hennig spendiert den Kran. Das Geld komme größtenteils aus der Kasse der Kirchengemeinde Netzen, zu der auch Grebs, Prützke und Nahmitz gehören. Einwohner, Ortsbeirat, Vereine und Firmen beteiligen sich an der Finanzierung. In den nächsten Tagen werde eine Haussammlung gestartet, kündigt Insel an. Zwei Sätze gibt es auf dem Bronzewerk zu lesen: "Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich" (Lukas 18,27) und "Neuguss zur Ehre Gottes 2009 für eine Kriegsabgabe 1917". Die Einweihung wollen Kirche und Ort mit einem kleinen Fest verbinden. (Von Heiko Hesse)

Märkische Allgemeine vom 27. August 2009

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