Brunow: Dem Gotteshaus aufs Dach gestiegen

Brunow (MOZ) Mit dem zweiten Abschnitt der Sanierung der Brunower Kirche ist jetzt begonnen worden. Rund 145 000 Euro investieren Kirche, Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das brandenburgische Kulturministerium, um Dach, Dachstuhl und Fassade neu gestalten zu können. Der Innenausbau des Gotteshauses muss allerdings noch warten. Dafür reichen die Mittel in diesem Jahr nicht mehr aus. Eine aufwendige Reinigung des Dachstuhls verteuerte den zweiten Abschnitt. Das Holz war in den 1980er-Jahren mit dem giftigen Holzschutzmittel Hylotox 50 behandelt worden und musste gesäubert werden.

Von Heike Stachowiak

Brunow 

In dem 200-Seelen-Ort ist ganz schön was los, will man mit Blick auf die Bautätigkeiten der Vergangenheit meinen. Die Wölsickendorfer Straße wurde ausgebaut, ebenso die Freudenberger Straße und zuletzt die Ortsdurchfahrt im ersten Abschnitt. Jetzt steigen die Bauleute dem Gotteshaus aufs Dach. Das nämlich wird derzeit umfänglich saniert.

Die Vorbereitungen auf das Bauvorhaben, vor allem die Finanzierung hätten einige Jahre benötigt, gesteht die mit der Maßnahme betraute Architektin Bettina Krassuski vom Planungsbüro ALV Angermünde. Doch nach dem Motto "Was lange währt, wird endlich gut" konnte im vergangenen Jahr mit der Sanierung des Kirchturmes begonnen werden. Der sei am baufälligsten gewesen und musste komplett überarbeitet werden, erklärt sie. Inzwischen erstrahlt der Turm in altem Glanz.

Dem Beispiel sollen Kirchenschiff und Dach folgen. Ursprünglich sei geplant gewesen, die Baumaßnahme in diesem Jahr noch abzuschließen, also das Dach neu einzudecken, die Fassade zu gestalten und den Innenraum zu sanieren. Doch daraus wird nichts. Die Gründe dafür liegen nicht im fehlenden Geld, normalerweise hätten die Mittel gereicht. Aber weil der Dachstuhl bei einer Sanierung in den 1980er-Jahren mit dem giftigen Holzschutzmittel Hylotox 50 behandelt wurde, musste das Holz aufwendig gereinigt werden. Die Mitarbeiter der beauftragten Eberswalder Firma mussten entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen einhalten, um ihre Gesundheit zu schützen. Ein "Schwarz-Weiß-Container" war nötig und diente als Schleuse, in der sich die Männer ihrer Schutzbekleidung entledigen und waschen konnten. Das ganze verteuerte die Maßnahme um zirka 10 000 Euro.

Dennoch liege man im Zeitplan, sagt die Architektin bei einer Beratung am Donnerstag. Der Dachstuhl sei fachgerecht saniert und vom Schwammbefall befreit. Jetzt erhält das Dach eine Biberschwanzkronendeckung. Mit dem Eindecken sind derzeit Dachdecker einer Eberswalder Firma beschäftigt. Anschließend werde die Fassade neu gestaltet. Um die Fenster erhalte das Feldsteinmauerwerk eine Schlemmfassade, so wie sie am unteren Bereich des Turmes bereits zu sehen ist.

Ende Oktober sollen die Arbeiten beendet und damit die Kirche in ihrer Substanz grundlegend saniert sein. Das Einweihungsfest wird aber erst im nächsten Jahr stattfinden. Dann, wenn der Innenausbau des Kirchenschiffes erfolgt ist. Dafür seien noch einmal zirka 50 000 Euro nötig, informiert Bettina Krassuski. Die Mittel sollen für die Innenausmalung, den Fußboden und für die Winterkirche verwendet werden. Noch unklar sei, ob das Gestühl nur überarbeitet oder gar erneuert werden muss. Bereits im Zuge der laufenden Bauarbeiten wurde die Decke saniert - eine Rohrputzdecke. Dort wo der Putz hafte, sei Schilfrohr angebracht, ein zur Zeit der Erbauung der Kirche gängiges Verfahren. "Wir konnten die Decke weitestgehend erhalten", zeigt sich die Architektin erleichtert. Anders als angenommen.

Mit der Zeit entpuppe sich die Brunower Kirche als ein schönes Kleinod, meint Bettina Krassuski, die von Pfarrerin Jutta Biering-Sieberhein nur Lob erntet. Es sei ein gutes Zusammenarbeiten mit ihr, meint die Kirchenfrau. Die Architektin sei sehr kompetent, arbeite gut mit der Denkmalschutzbehörde zusammen und beweise viel Fingerspitzengefühl. Das Büro, für das Bettina Krasusski arbeitet, hat sich auf Kirchenbauten spezialisiert und genießt landesweit einen guten Ruf. Schon zweimal ist es mit dem brandenburgischen Denkmalpflegepreis ausgezeichnet worden - einmal für die Sanierung der Kirche in Grünberg und einmal für den Wiederaufbau der Kirche Strehlow. Derlei Referenz kann sich sehen lassen und gereicht dem Brunower Vorhaben zum Vorteil.

Märkische Oderzeitung vom 11. September 2009

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