Auge in Auge mit dem Heiligen Adalbert

Von Ines Rath

Dolgelin 

Niederjesar/Dolgelin (MOZ) Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg hat seine diesjährigen Preise "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" gestern in der Niederjesarer Kirche verliehen. Vor der Preisverleihung begaben sich mehr als 50 Mitglieder des Förderkreises auf eine Exkursion zu Kirchenruinen am Rande des Oderbruchs.

"Wir wollen mit unserer Einladung auf die Situation der vielen zum Kriegsende zerstörten Kirchen im Oderbruch aufmerksam machen", sagte Pfarrer Martin Müller bei der Begrüßung in der Dolgeliner Kirchenruine. Sie war für die Mitglieder des Förderkreises Alte Kirchen die erste Station der gestrigen Exkursion. Die Ruine konnte mit einigen Besonderheiten aufwarten.

Vor allem mit zwei mittelalterlichen Putzritzzeichnungen aus der Zeit der Erbauung der Kirche im 13. Jahrhundert. "Nutzen Sie die einmalige Gelegenheit, sich den Heiligen Adalbert, den Patron des Bistums Lebus, von ganz nah anzuschauen", forderte Martin Müller die Rüstigen und Mutigen unter den Gästen auf. An der Außenmauer des Westgiebels war ein Gerüst aufgebaut worden, damit sie zu den Zeichnungen hinauf gelangen konnten.

Doch ausgerechnet der Westgiebel mit diesen sehr seltenen Zeichnungen sei besonders gefährdet, müsse dringend gesichert werden, machte der Mallnower Pfarrer deutlich. Das Projekt zur Sanierung der Kirchenruine liege in der Schublade. Doch leider sei der Versuch, diese gefördert zu bekommen, schon "mehrfach gescheitert", erklärte Martin Müller unter Verweis auf die Lokale Aktionsgruppe Oderland.

Dabei gebe es in der Dolgeliner Kirchenruine nicht nur besonders Wertvolles zu erhalten - Müller verwies neben den Putzritzzeichnungen auch auf die Putzreste samt Farbe aus dem 13. Jahrhundert in den Türbögen und auf zwei so genannte Schalltöpfe, eine Art mittelalterliche Lautsprecher, im Ostgiebel. Auch das Nutzungskonzept für die sanierte Ruine könne überzeugen, meinte der Pfarrer. Das Konzept sieht unter anderem vor, dass die benachbarte Grundschule die Kirche in Ermangelung einer Aula für Veranstaltungen nutzen könnte. Wie zum Beweis war Schulleiterin Gabriele Dreger mit einer Gruppe Schüler zu dem Treffen in die Kirchenruine gekommen.

Dem engagierten Förderverein für die Dorfkirche Dolgelin kann der Förderkreis Alte Kirchen zwar nicht unter die Arme greifen. Der Verein sei "leider zu früh gegründet" worden, stellte Pfarrer Martin Müller fest. Doch die beiden nächsten Ziele der Exkursion, die Carziger und die Hohenjesarer Kirchenruine, konnten mit Hilfe von Preisgeldern des Förderkreises weiter gesichert werden.

Während eines Festaktes in der Niederjesaerer Kirche, einem Beispiel für den gelungenen Wiederaufbau einer Kirchenruine, bekamen die Fördervereine für die Dankeskirche in Halbe, für die Evangelische Kirche Hermsdorf, die Dorfkirche zu Löhme und die Dorfkirche Seehausen je einen mit 2500 Euro dotierten Preis. Der Förderverein zur Erhaltung des ev. Kirchengebäudes in Berlin-Johannisthal und der Förderverein Orgel- und Kulturzentrum Lebusa teilen sich einen weiteren Preis. Der Festakt wurde durch die Aufführung einer Kantate von Carl August Tessenow unter der Leitung von Christian Knopf-Albrecht musikalisch umrahmt.

Märkische Oderzeitung vom 19. September 2009

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