KIRCHE: Gemeinde rettet die eigene Kirche

Fürs Sanieren des Turms am Klein-Kreutzer Gotteshaus werden 32 000 Euro Eigenmittel verwendet

Alles eine Frage der innerkirchlichen Bürokratie. Das Sanieren des Turmes der Klein-Kreutzer Dorfkirche kostet insgesamt 52 000 Euro.

Weit mehr als die Hälfte nämlich 32 000 Euro hatte die Gemeinde des zum Dom gehörenden Kirchspiels aus eigenen Mitteln aufgebracht. "Das ist erstaunlich, zählt doch die Gemeinde nur gut 120 Seelen", lobt Dompfarrer André Wiethölter.

7500 Euro Zuschuss sagte die Stadt zu. Es ging also nur noch um gut 12 000 Euro, die das Konsistorium der evangelischen Kirche EKBO beisteuern musste. "Doch viele kennen die bürokratischen Antragswege nicht. Ich habe mich drei Wochen dahintergeklemmt, weil ich mit der Materie einigermaßen vertraut bin." Und plötzlich ging alles ganz schnell. Das Gerüst ist bereits montiert, Architekt André Eggebrecht selbst ein Klein-Kreutzer vom Büro SEW überwacht alle Arbeiten. Es geht um das statische Sichern des Turmes, Fugen sind ausgebrochen, Fensterbänke und -fassungen müssen erneuert werden.

"Seit 2006 diskutieren wir die Sanierung, Auflagen vom Denkmalschutz hatten wir schon seit Mitte der 90er- Jahre", erzählt Hans-Christian Fauth, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates. Seitdem sei immer wieder Geld zurückgelegt worden. Neben der Kollekte hat die Gemeinde ein paar Einnahmen aus dem Verpachten von Kirchenland. Die Senioren in der Gemeinde, die keine Kirchensteuer mehr bezahlen müssen, geben freiwillig ein Gemeindekirchgeld. "Das ist alles Teamwork. Wir handeln basisdemokratisch und setzen das Beschlossene dann auch gemeinsam um", sagt Fauth. Die Gemeinde stehe geschlossen dazu. Seit vorigem Jahr gibt es auch Sommermusiken, das Gotteshaus stehe vielen Menschen offen.

Noch in diesem Jahr soll der Turm fertig werden, dann steht irgendwann der zweite Bauabschnitt das Kirchenschiff an. Das ist eigentlich ganz gut in Schuss, aber die Fenster bereiten Sorgen. Die Bänke sind ausgebrochen, erst vier der acht Rundbogenfenster sind mit Buntglas einer Quedlinburger Kunstglaserei versehen. Die restlichen bestehen noch aus billigem Riffelglas, das teilweise in Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben der DDR verbaut worden ist. Fauth will spätestens zum 150. Jahrestag des Kirchenneubaus alles fertig haben. Das ist 2018.

"Es kostet auch noch einmal 12 000 bis 15 000 Euro. Bereits jetzt gibt es Spendenzusagen von örtlichen Gewerbebetrieben."

Doch auch andere Projekte dürften darüber nicht aus dem Blick verloren werden, sagt der Gemeindekirchenratsvorsitzende. In Saaringen sei die Dorfkirche nun im Besitz des Fördervereines, doch der Kirchengemeinde gehört noch der kleine Friedhof und die ihn umgebende Mauer. Die hat mittlerweile statische Probleme, ein ganzes Stück droht herauszubrechen, "da müssen wir schnell handeln". Das gehe dann erst einmal vor. Dann aber ganz unbürokratisch, denn die Gemeinde wird die dafür nötigen Mittel komplett selbst aufbringen. (Von André Wirsing)

Märkische Allgemeine vom 30. September 2009

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