KIRCHE: Malereien unter zehn Farbschichten

Kunstwerk in Lübnitzer Kirche / Chef des Freundeskreises tritt zurück

LÜBNITZ - Die helle, aber kräftige Stimme Sarah Kaisers, die in der Lübnitzer Dorfkirche erklang, war im ganzen Ort zu vernehmen. Zu hören war dieser Klang nur von durchreisenden Kraftfahrern, denn fast alle Bewohner des kleinen Flämingdorfes waren am Sonntag in dem Gotteshaus versammelt.

Vor dem Konzert feierten sie Erntedank und hielten eine Rückschau auf die geleisteten Arbeiten. Der bisherige Koordinator und Kopf des "Freundeskreises der Kirche", Christian Bonte-Friedheim, teilte mit, dass er sich aus diesem Gremium zurückzieht. Er ist Spross der letzten Gutsherrenfamilie in Lübnitz, von Lochow. "Ich betrachte meine Arbeit als erfolgreich abgeschlossen", sagte er (siehe Interview). Er stellte fest, dass die Außenmauern und das Dach wieder in Ordnung seien. Die im Inneren des Gebäudes notwendigen Bauvorhaben sind finanziert. "Ich weiß das Vorhaben in guten Händen", sagte Bonte-Friedheim.

Damit meinte er Martha Gleininger, Ignaz Bubliz und Lydia Junghanß von der Belziger St.-Marien-Gemeinde. Lydia Junghanß bekam eine Urkunde für ihr Engagement.

Die Restauratoren Udo Drott und Petra Drott-Durchholz berichteten über die Arbeiten. "Die gefundenen Malereien waren mit bis zu zehn Schichten übertüncht", sagte Udo Drott, der sich besonders gefreut habe, Weihekreuze in der Apsis sowie barocke Malereien als Fensterbekrönung entdeckt zu haben. Inzwischen sind sie zum Teil restauriert.

Eine Überraschung war die Entdeckung des Zugangs zu der alten Sakristei, die wohl über viele Jahre als Gruft gedient hat. Hier hat man unter anderem 106 Sarggriffe sowie Reste von Särgen geborgen. "Die menschlichen Überreste werden auf dem Friedhof würdig bestattet", erklärte Drott.

Jetzt wird die Sakristei als kleines Dokumentationszentrum der Restaurierung genutzt. Schautafeln und Fundstücke sind hier zu sehen. Das hölzerne Eingangsportal der Kirche schmückt jetzt ein Bronzerelief. Karl-Henning Seemann nahm persönlich die Enthüllung seines Kunstwerks vor. "Der Baum als Symbol der Schöpfung und ihrer Gefährdung", so nannte der Professor die Bronze. Sie ist gleichzeitig ein Diskurs zwischen der biblischen Schöpfungsgeschichte und der Evolutionstheorie. Aus dem Wasser heraufsteigende Lurche und Fische bilden den Stamm, die Äste und Zweige der Krone werden aus Tiergestalten sowie Adam und Eva, Kain und Abel und der allgegenwärtigen Schlange gebildet. Für Seemann ist der Lebensbaum kein Widerspruch zum Glauben. "Gott ist kein Marionettenspieler, er ist nicht über uns, sondern in uns."

Im Gotteshaus bleibt viel zu tun. Die Kirchenbänke werden gerade restauriert, die Decke muss saniert werden, die Patronatsloge ebenso. Belzigs Bürgermeisterin Hannelore Klabunde (parteilos) zeigte sich dennoch schon beeindruckt. "Die Kirche ist jetzt ein Kleinod", sagte sie. (Von Andreas Koska)

INTERVIEW: "Ein christliches Kleinod"

Christian Bonte-Friedheim hat den Freundeskreis gegründet. Mit dem Initiator sprach Andreas Koska.

MAZ: Wieso haben Sie den Freundeskreis verlassen?

Christian Bonte-Friedheim: Wir waren von Anfang an kein Verein. Ich wollte mich diesen formalen Zwängen nicht unterwerfen. Unsere Aufgabe war, Gelder für die Sanierung der fast 800 Jahre alten Lübnitzer Dorfkirche zu sammeln. Diese Aufgabe wurde erfolgreich abgeschlossen, die Kirche ist wieder ein wertvolles, mittelalterliches, christliches Kleinod. Ich kann abtreten.

Es ist aber immer noch einiges zu tun?

Bonte-Friedheim: Dies kann ohne mich geschehen. Die Finanzierung steht. Wir haben mehrere Hunderttausend Euro gesammelt. Wir haben ein Netz mit sehr vielen Knoten geknüpft, das die Kirche aufgefangen hat. Ich wohne im Schwarzwald, die Arbeiten vor Ort können jetzt von den lokalen Kräften fortgeführt werden.

Es gab ja Widerspruch aus dem Freundeskreis wegen ihrer Entscheidung.

Bonte-Friedheim: Ja, es ist auch eine Anerkennung, wenn gegen den Abschied protestiert wird. Ich werde den Fortschritt beobachten, glaube aber, dass ich nicht in Lübnitz in Erscheinung treten muss. Falls der Freundeskreis jetzt einen Förderverein oder ähnliches gründen will, werde ich nicht im Wege stehen. (Von Andreas Koska)

Märkische Allgemeine vom 06. Oktober 2009

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