KIRCHEN: Altes Gotteshaus mit wechselvoller Geschichte

Die Freyensteiner Kirchengemeinde muss viel Geld für anstehende Bauarbeiten auftreiben

FREYENSTEIN - Wer von Wittstock nach Freyenstein kommt, sieht schon von weitem die "Laterne" des mächtigen Kirchturms über den Dächern des Ortes. Wer so hoch hinaus will, müsste 130 Stufen erklimmen und käme bei der Uhr an, die jeden zweiten Tag von Heidrun Schwand aufgezogen wird, damit die Freyensteiner wissen, was das Stündlein geschlagen hat.

Die Kirche, die zu Füßen des Turms liegt, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Wann mit dem Bau angefangen wurde, weiß man genau. Das war im Jahr der Gründung des neuen Freyensteins, 1287. Spätestens 1325 muss das Gotteshaus fertig gewesen sein, denn aus jenem Jahr ist die Altarweihe verbrieft.

Aus mehreren Jahrhunderten liegen der Kirchengemeinde keine Aufzeichnungen vor. Seit etwa 300 Jahren ist die Dokumentenlage etwas besser. So weiß man von mehreren Bränden und Stürmen, die dem alten Gemäuer teilweise mächtig zugesetzt haben. Obwohl sie mehrfach wiederaufgebaut und renoviert werden musste, behielt die Kirche dennoch ihre gotischen Elemente. Herausragendste Merkmale aus dieser Bauphase sind die gotischen Spitzbogenfenster.

Von dem einst üppig verzierten Ostgiebel ist seit 1703 nichts mehr übrig. Nach einem Sturm war die Turmspitze auf das Kirchendach gestürzt. Teile des Gewölbes wurden schwer beschädigt, auch die Orgel war kaputt. Kaum wieder fertig, ereilte ein neues Unglück das Gotteshaus. Am 11. Juli 1718 brannte es vollständig aus. Erst 1722 war die Wiederherstellung abgeschlossen. Während dieser Zeit fanden die Gottesdienste im Schloss statt. Der Kirchturm mit seinem Dach und der Laterne wurden 1749 instand gesetzt.

Ein weiteres Eckdatum in der Geschichte ist das Jahr 1760, als der Kirchenpatron Winterfeld das Spielen auf der Orgel untersagt hat. "Beschwerden darüber wurden nicht bekannt", erzählt die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Birgit Kanzler. "Demnach muss die Orgel schon ziemlich kaputt gewesen sein." Aus dem Jahr 1792 ist dann eine Investition bekannt: 298 Taler wurden für die Reparatur der Orgel ausgegeben. Allerdings brach gerade mal 20 Jahre später ein neues Unglück über die Kirche herein und die Orgel brannte ab. Das Feuer war so schlimm, dass damals die Dachtrümmer das Gewölbe durchschlagen haben, die Glocken geschmolzen sind und Altar sowie Taufstein völlig zerstört wurden. Man entschloss sich, die Sakristei an der Ostseite nicht wieder aufzubauen.

Zwei Jahre später, im Jahr 1814, war der Wiederaufbau abgeschlossen. Eine erste, 16 Zentner schwere Glocke konnte erst 1839 eingebaut werden. Es war ein Geschenk von König Friedrich Wilhelm III. Zwei weitere Glocken wurden 1840 und 1891 von den Freyensteinern selbst gestiftet. Während des 1. Weltkrieges mussten diese Glocken "fürs Vaterland geopfert" werden. 1923 wurden sie neu angeschafft. Eine ist 1,3 Tonnen schwer, die mittlere wiegt 500 Kilogramm, die kleine 350. Alle drei sind von einer dicken Rostschicht überzogen.

Die Orgel macht indes noch einen neuen Eindruck. Sie thront heute hoch über dem Kirchenschiff auf der zweiten Empore. 1840 vom Potsdamer Orgelbaumeister Heise eingebaut, wurde sie im Jahr 1900 überholt und mit einem neuen Register versehen.

Ein letztes Unglück ist aus dem Jahr 1888 registriert, als ein Blitzschlag die Turmspitze traf, die daraufhin zu Boden ging. Der Schaden hielt sich in Grenzen und konnte im selben Jahr repariert werden.

Die Gegenwart sieht zumindest innen recht farbenfroh aus. Im Jahr 2000 machten sich die Freyensteiner daran, den Innenraum zu renovieren. So eine Farbzusammenstellung sieht man wirklich nicht alle Tage. Die vier mächtigen Pfeiler sind mit Blau verziert und mit einem Rostrot abgesetzt. "Man hat sich damals so entschieden, weil in den Fenstern viel Blau vorkommt", sagt Birgit Kanzler. Durch die hohen Fenster und die frischen Farbakzente kommt viel Licht ins Kirchenschiff.

Wenn nun noch die äußeren Schäden am Kirchenschiff behoben werden, wäre der Gemeindekirchenrat von Freyenstein eine große Sorge los. Aber dazu bedarf es einer gewaltigen Finanzspritze von geschätzten 700 000 Euro. Aus eigener Kraft können die knapp 400 Kirchensteuerzahler von Freyenstein so viel Geld nie und nimmer aufbringen, aber zumindest steht seit August dieses Jahres das Sanierungskonzept. Allein für das neue Dach sind 250 000 Euro veranschlagt. Auf den ersten Blick sieht zumindest der Dachstuhl noch gut aus. Aber sämtliche Balkenköpfe sind vom Schwamm befallen und müssen dringend erneuert werden. Hinzu kommt das marode Mauerwerk außen. Zwei Stützpfeiler wurden erst im vorigen Jahr erneuert. Aber das ist erst der Anfang. Denn auch der Turm bedarf dringend einer Sanierung. Gewaltige Risse ziehen sich von oben nach unten durch die Feldsteinmauern. Damit sich diese nicht noch weiter verstärken, werden seit zwei Jahren die Glocken nicht mehr elektrisch geläutet , dabei war der Elektroantrieb erst im Jahr 2003 eingebaut worden. Doch durch das gleichmäßige Schwingen der Glocken wurde der Glockenstuhl in Schwingungen versetzt und stieß bereits ans Mauerwerk. Jetzt behilft man sich, indem über ein langes Seil der Klöppel von lediglich einer Glocke angeschlagen wird.

"Wir müssen irgendwie an Geld herankommen", sagt Birgit Kanzler. Im Moment kümmert man sich darum, kirchliche und staatliche Fördertöpfe aufzutun. Doch die Gemeinde verfügt auch längst nicht über nötige Eigenmittel. "Wir haben schon überlegt, eine ähnliche Patenschaftsaktion wie in Wittstock zu starten." Auch Veranstaltungen könnten künftig etwas Geld in die Kasse spülen.

Ein bisschen Sorgen macht sich Birgit Kanzler um die Auslastung der Kirche. Von den etwa 400 Kirchensteuerzahlern im Ort besuchen vielleicht 15 die sonntäglichen Gottesdienste. Viel zu wenig. Deswegen bemühen sich die Mitglieder des Gemeindekirchenrates seit einiger Zeit verstärkt darum, Veranstaltungen fürs ganze Städtchen anzubieten und der Erfolg gibt ihnen recht. So war das erstmals von Erwachsenen gezeigte Krippenspiel zu Weihnachten voriges Jahr ein großer Erfolg. 24 Mitwirkende aus Freyenstein aber auch aus Halenbeck und Niemerlang beteiligten sich aktiv, und problemlos hätte Birgit Kanzler auch noch weitere Leute gefunden, die eine Rolle übernommen hätten. So etwas ist auch für dieses Jahr geplant.

Zwei weitere Ereignisse, bei denen die Kirche voller Menschen war, wurden erst kürzlich veranstaltet: das Gemeindefest Anfang September und das Chorsingen beim Tag des offenen Denkmals. "Man muss Angebote machen. Mit einem normalen Gottesdienst bekommt man keinen mehr hinterm Ofen vor." Birgit Kanzler hat die erfreuliche Erfahrung gemacht, dass die Leute kommen, wenn sie eingeladen werden. Und so soll es auch bleiben. Damit die Leute nicht nur auf die Kirche schauen, um in Erfahrung zu bringen, was die Uhr geschlagen hat. (Von Uta Köhn)

Märkische Allgemeine vom 14. Oktober 2009

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