DENKMALE: Kellers Kirche bekommt eine Uhr

Sanierung aufwändiger als gedacht / Turm wird rosarot

KELLER - Wochenlang lag der Turm der Dorfkirche von Keller wie ein großes Puzzlespiel in Einzelteilen auf der Wiese neben der Bushaltestelle. Inzwischen haben die Restauratoren von der Baudenkmalpflege GmbH aus Prenzlau die Puzzleteile wieder zu einem Kirchturm zusammengesetzt. Dem fehlen jetzt nur noch die Kugel und das Kreuz auf der Spitze.

Die Zimmerleute haben das Gebälk in alter handwerklicher Tradition zusammengesetzt mit Holznägeln und ohne Eisenteile jedenfalls nicht an sichtbarer Stelle. "Nächste Woche werden sie damit fertig", sagt der Bauleiter Wolfgang Schwelgin vom Ingenieurbüro. Dann können im November die Dachdecker mit ihrer Arbeit beginnen.

Auch eine Turmuhr soll die 266 Jahre alte Kirche dann wieder bekommen. Dafür gibt es bereits einen Sponsor im Dorf.

Zwar zeigte der Turm den Kelleranern schon seit Jahren keine Zeit mehr an, im Gebälk fanden die Restauratoren aber die Stelle, an der sich einst die Zeiger drehten ungewöhnlich hoch angebracht, schon halb in der Dachfläche. Dort soll nun wieder ein Uhrwerk hin. Auf 1,30 Meter schätzt Wolfgang Schwelgin den Durchmesser des Chronometers.

Die Bauarbeiten am Turm waren aufwendiger als erwartet (die MAZ berichtete): Dass der Turm vom echten Hausschwamm befallen war, wusste der Architekt zwar vorher. Er war aber davon ausgegangen, dass die Westseite des Turms bereits vor ein paar Jahren saniert wurde. Vor kurzem sei aber festgestellt worden, dass diese Sanierung nicht fachgerecht war, sagt Wolfgang Schwelgin der Turm habe deshalb komplett abgebaut und zerlegt werden müssen.

Um sich nicht gleich wieder den Schwamm ins Haus zu holen, musste auch ein Teil des Mauerwerks saniert werden. Im Turm konnte nur ein Fünftel der alten Balken wiederverwendet werden der Rest wurde durch neues Holz ersetzt. Das Geld werde wohl trotzdem reichen, denn die Angebote seien günstig gewesen, sagt der Planer.

Um neuen Schwammbefall zu verhindern, wird das Fachwerk nicht wieder ausgemauert, sondern von außen mit Ziegeln verblendet und verputzt. Der Turm wird dadurch etwas dicker als bisher.

Weil der Kalkputz nur langsam trocknet, kann er erst im nächsten Frühjahr aufgetragen werden. In Absprache mit den Restauratoren erhält der Putz dann einen rosé-farbenen Anstrich, sichtbare Holzteile werden grau gestrichen so wie früher. "Das sieht klasse aus", freut sich der Bauleiter schon jetzt darauf. (Von Christian Kranz)

Märkische Allgemeine vom 24. Oktober 2009

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