Rettung von Kulturgütern

Von Oliver Schwers

Wismar - Taufengel 

Prenzlau Der Landkreis Uckermark will auch bei einer sich drastisch verschlechternden Haushaltslage an der Denkmalförderung festhalten. Im bisher nicht veröffentlichten Etat für 2010 sollen wieder rund 200 000 Euro dafür bereit stehen. Darüber informierte Vize-Landrat Reinhold Klaus bei der Übergabe des letzten Fördermittelbescheids in diesem Jahr an eine Kirchgemeinde. Die Uckermark ist der Landkreis mit dem höchsten Budget für die Denkmalförderung im gesamten Land Brandenburg. Die Ausgaben gelten als direkte Unterstützung des heimischen Handwerks durch die Vergabe von Sanierungsaufträgen.

Dem barocken Taufengel in der Kirche von Wismar im nördlichsten Zipfel der Uckermark fehlt ein Bein. Die gut beleibte Figur lächelt trotzdem sinnlich mit ihrem angedeuteten Doppelkinn. Schuld an der unfreiwilligen Amputation des Fußes sind längst verblichene Holzwürmer. Die Anobien zernagten in den vergangenen Jahrzehnten die Substanz des lebensgroßen Taufengels derart, dass er nur noch durch das Mehl zusammenzuhalten scheint. Die Operation kostet fast so viel Geld wie eine echte medizinische. Denn der Taufengel kommt jetzt in die Werkstatt von Roland Enge nach Berlin. Der Restaurator rettet das mehr als 200 Jahre alte Ausstattungsstück der Kirche.

Für die schnelle unmedizinische Hilfe hat eine private Spenderin - vermittelt durch den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg - gleich mehrere tausend Euro gestiftet. Der Landkreis Uckermark steuert noch einmal 2000 Euro bei. Es sind Gelder aus der Denkmalförderung. Jährlich vergibt der Kreis mehr als 200 000 Euro an Kirchen, private und kommunale Eigentümer von Denkmalen. Was sich wie ein Tropfen auf den heißen Stein anhört, ist jedoch pure Wirtschaftsförderung. Denn jeder Euro des landesweit einmaligen Förderprojektes wird vervielfacht durch weitere Stiftungen, Spender und Kofinanzierungen. Von den millionenschweren Aufträgen profitiert das heimische Handwerk, denn mindestens 85 Prozent der Arbeiten bleiben hier in der Region. Die Kreisverwaltung will auf jeden Fall weiter an der Unterstützung der Denkmale festhalten.

Märkische Oderzeitung vom 01. November 2009

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