DENKMAL: Wieder mit Decke

Bauabnahme gestern in der Rosenhagener Dorfkirche / Einweihungsfeier im Frühjahr

PERLEBERG - Beim Betreten der Kirche wundert man sich über den schönen Raum. Die Holzdecke in einem leichten Grau gehalten vermittelt den Eindruck, als würde sie schon immer dort sein. Dabei konnte der Besucher vor ein paar Wochen noch die Dachsparren und die Biberschwänze weit ober über sich sehen.

Gestern war Bauabnahme und der Spiegelhagener Zimmereimeister Fred Klimaschewski stellte seine Arbeit vor. Der Perleberger Pfarrer Tilmann Kuhn, Andreas Draeger, Vorsitzender der Baukommission im Kirchenkreis, und Gemeindekirchenmitglied Adolf Franke fanden nichts, was sie zu beanstanden hatten. Einhelliges Urteil: eine gelungene Handwerksleistung.

Die Rosenhagener Dorfkirche ist uralt, bis ins 11. Jahrhundert dürfte ihre Geschichte zurück reichen. Die Wände bestehen zum Teil aus gewaltigen Feldsteinen. Sie sind unbehauen, machte Tilmann Kuhn aufmerksam. In der Stadt Perleberg waren die Steine dagegen behauen. Die Feldsteine dürften die ältesten noch erhaltenen Bestandteile der Kirche sein.

Der Verfall des Gotteshauses konnte zum Glück Mitte der 1990er Jahre gestoppt werden, es erhielt ein neues Dach. Für den Turm, genauer den Holzaufbau, hatte es keine Hilfe gegeben. In den 70er Jahren wurde er abgetragen. Die beiden Glocken blieben erhalten. Vor zwei Jahren kamen sie zur Geltung; nahe der Straße wurde ein Glockenstuhl errichtet. Das Geld dafür stammte aus einer Spendensammlung für den Wiederaufbau des Turmes. Jedoch das eingereichte Projekt hatte nicht die Zustimmung der Denkmalpflege bekommen. Erhalten sind bis heute die starken Feldsteinmauern des Turmes. Es muss sich um einen Wehrturm gehandelt haben, in den sich die Rosenhagener bei drohender Gefahr flüchteten. Die Mauer könnte zwei Meter stark sein.

Von der barocken Ausstattung, die offenbar im 18. Jahrhundert eingebaut wurde, ist der gut erhaltene Kanzelaltar vorhanden. Die Empore ist verschwunden und auch die Orgel, die einst darauf stand. Sie ist aber erhalten und versieht in der Spiegelhagener Kirche ihren Dienst. Auf einem noch erhaltenen Balken der einstigen Empore steht die Jahreszahl 1575.

Pfarrer Kuhn freute gestern der schöne Raumklang, der mit dem Einbau der Decke entstanden ist. Mit einem Schmunzeln meinte er, die Gemeinde könne hier nun kräftig singen. Er dachte auch schon an die nächsten Schritte. Soll das Gestühl, das in einer Scheune eingelagert ist, wieder eingebaut werden? Würden Stühle aufgestellt, wäre man aber flexibler und könnte auch mal einen Kreis bei einer Veranstaltung bilden. Ungeachtet ihres schlechten Zustandes ist die Kirche auch früher immer genutzt worden. Zu Ostern könnte es eine Einweihungsfeier geben, meinte der Pfarrer. Auf jeden Fall nutzten die Rosenhagener die Kirche für die traditionelle Prozession am ersten Advent. Die Decke kostete rund 13 000 Euro. Die Hauptlast trug die Gemeinde, der Kirchenkreis unterstützte. Fördermittel gibt es für solch ein Projekt nicht, merkte Tilmann Kuhn an.

Auch für den Turm, an dessen Wiedererrichtung die Gemeinde festhält, gibt es wenig Aussicht auf Fördergeld. Ein kleiner Hoffnungsschimmer besteht allerdings: Wenn in Rosenhagen etwa ein Straßenbau nahe der Kirche über das Programm Integrierte Ländliche Entwicklung (Ile) gefördert wird, dann aber nur dann könnte auch für den Turmbau etwas abfallen. (Von Michael Beeskow)

Märkische Allgemeine vom 12. November 2009

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