AKTION: Schilder Taufengel benötigt Hilfe

Denkmalpfleger, evangelische Kirche und Förderkreis sammeln Spenden

SCHILDE - Um Hilfe unter anderem für den Taufengel der Kirche von Schilde (Amt Bad Wilsnack-Weisen) bittet eine Initiative unter Federführung des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums. Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sowie dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, die sechs besonders gefährdeten Taufengeln helfen soll.

Einer der sechs auf Postkarten vorgestellten Taufengel stammt aus Schilde. Ein unbekannter Künstler fertigte ihn in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts aus Lindenholz. Die Substanzverluste umfassen beide Flügel, den Taufschalenträger, Teile des Gewandes, der Füße, Hände und Nase. Vermutlich wurde der Taufengel im Zusammenhang mit dem 1709 für die Kirche in Schilde entstandenen Altar geschaffen.

Der sehr schlechte Zustand deutet darauf hin, dass der Taufengel schon seit langer Zeit außer Gebrauch ist. Trotz starker Verschmutzung und zahlreicher Fehlstellen lässt sich das Farbprogramm erkennen. So ist das Obergewand weiß mit roten Absetzungen, dunkelblau sind Unterkleid und Hüfttuch, das zusätzlich golden gemustert ist. Die beachtliche künstlerische Qualität der Figur deutet auf eine bedeutende, bisher noch unbekannte lokale Bildhauerwerkstatt.

Taufengel sind eine spezifische Erscheinung in Kirchen evangelischer Gemeinden lutherischen Bekenntnisses des 18. Jahrhunderts. Sie ersetzen den traditionellen Taufstein und ermöglichen die Durchführung des Taufsakraments mit dem Blick zur Gemeinde. Die meist annähernd lebensgroßen Holzfiguren in Engelsgestalt sind im vorderen Bereich des Kirchenraums angebracht und tragen eine flache Schale. Zur Taufe werden sie herabgelassen und sie assistieren, indem sie schwebend die nun mit Taufwasser gefüllte Schale reichen. Tauf]engel gehören neben Altären, Kanzeln und Orgeln zu den wertvollsten Ausstattungsgegenständen in den brandenburgischen Kirchen.

Durch unsachgemäße Lagerung und mangelnde Wartung sind viele Taufengel in beklagenswertem Zustand, nur einige konnten vorbildlich restauriert werden. Viele Kirchengemeinden können die notwendigen Restaurierungskosten allein nicht aufbringen.

Deshalb der Spendenaufruf. Auf einem Faltblatt und sechs Postkarten werden die ersten besonders stark gefährdeten Taufengel vorgestellt, die mit dem Erlös der Spendenaktion restauriert werden sollen. "Um sie für die Nachwelt zu erhalten, wird Unterstützung benötigt. Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, dass die verbliebenen Zeugnisse der schlichten Volksfrömmigkeit und der barocken Handwerkskunst erhalten bleiben. Auch Patenschaften für einen Engel sind möglich", heißt es dort.

Spenden an den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. Konto-Nr. 51 99 76 70 05 BLZ 100 900 00, Berliner Volksbank, Stichwort: Taufengel. (Von Wolfram Hennies)

Märkische Allgemeine vom 25. November 2009

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