RESTAURIERUNG: Eine Allianz für Taufengel

Denkmalpflege und Kirche wollen wertvolles Kulturgut vor dem Verfall retten

WÜNSDORF - Schon Martin Luther pries sie. "Wenn der Schutz der lieben Engel nicht wäre, würde kein Kind zu vollkommenem Alter erwachsen, obwohl die Eltern allen möglichen Fleiß anwendeten", schrieb der Reformator 1531. Doch die Taufengel, die Mitte des 18. Jahrhunderts protestantische Kirchen schmückten, hatten nicht lange Bestand. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts blies ein anderer Wind der Zeit, und der ließ die überlebensgroßen Figuren wieder verschwinden. Und die noch vorhandenen man wird sogar noch auf Dachböden oder in Museen fündig sind Engel, "die geradezu nach Restaurierung schreien", so Landeskonservator Detlef Karg.

In den Werkstätten des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege in Wünsdorf warten derzeit acht Holzfiguren auf eine behutsame Kur. "Sie gehören zu insgesamt 74 Taufengeln mit dringendem Handlungsbedarf, bei 49 davon muss so schnell wie möglich gehandelt werden", erläuterte Werner Ziems. Dem Restaurator sind fast alle dieser wertvollen Figuren im Land Brandenburg bekannt er hat darüber 2006 einen Katalog erstellt. "Es geht uns nicht darum, die Engel wieder schön bunt und komplett zu machen", betont er. Vielmehr stünden Sicherungsarbeiten im Vordergrund der Hauptfeind heißt Holzwurm.

Zum ersten Mal startet die Landesdenkmalbehörde gemeinsam mit der Evangelischen Kirche sowie dem Förderkreis Alte Kirchen eine Spendenaktion zur Rettung bedrohter Taufengel in Brandenburg. Nicht nur zur Freude des Landeskonservators, sondern auch zur großen Genugtuung von Pröbstin Friederike von Kirchbach. Diese erinnerte an die Rolle der Engel in der Bibel. "Es ist Zeit, die wichtigen Akteure wieder dahin zu holen, wo sie hingehören, in die Kirche", so die Pröbstin. Sie sei erfreut über eine verstärkte Sehnsucht nach den Engeln und versicherte: "Mit der Aktion für die Rettung der Taufengel einher geht auch neues Nachdenken über die Taufe", sie habe zahlreiche Ansätze beobachtet, wie zum Beispiel das große Tauffest in Fürstenwalde.

Rund 600 000 Euro hat der Förderkreis Alte Kirchen in den vergangenen 20 Jahren für Baumaßnahmen aufgebracht. "Doch meist reichte es leider nicht für die Innenausstattung", bedauerte Bernd Janowski vom Verein. Auch er ist voller Hoffnung, dass in der Allianz zwischen Kirche und Denkmalpflege die stark vom Verfall bedrohten "Boten zwischen Himmel und Erde" gerettet werden können. Viele Kirchengemeinden könnten die notwendigen Reparaturkosten allein nicht aufbringen.

Die Fachleute in Wünsdorf gehen davon aus, dass die Restaurierung eines Taufengels mindestens 5000 Euro kostet. Rund 150 davon gibt es in Brandenburg, so unter anderem auch in Siethen, in Stülpe und Ließen. 32 sind in den letzten 15 Jahren bereits restauriert worden. Von 200 Figuren in Engelsgestalt bestehen Spuren, Fragmente. (Von Elke Höhne)

Märkische Allgemeine vom 26. November 2009

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