DENKMALSCHUTZ: Rettung in letzter Sekunde

Sanierung der romanischen Dorfkirche von Bützer hat begonnen

RATHENOW - Franziska Peker ist dem Himmel ganz nah. Christus sitzt ihr auf zwei Regenbögen gleich gegenüber und Engel blasen ihr die Posaunenklänge direkt ins Ohr.

Doch das Paradies hat Risse. Das ist ganz wörtlich gemeint. Die beschriebene himmlische Szene ist ein Gemälde an der Chordecke der Bützeraner Kirche. Und dieses Gemälde ist erheblich beschädigt. Breite Risse durchziehen die Darstellung, Putzteile blättern ab, die Farbe schwindet. Damit das Deckenbild nicht noch weitere Schäden erleidet, wurde Franziska Peker engagiert. Die Diplom-Restauratorin klebt und spachtelt, was das Zeug hält. "Es geht erst einmal darum, den Bestand zu sichern", sagt sie. Danach müsse man weiter sehen.

Stundenlang stand die junge Frau auf dem Gerüst unter der Decke und gab sich der filigranen Arbeit hin. Vor einigen Tagen hat sie die Arbeiten eingestellt. In der Weihnachtszeit wird das Gerüst weggeräumt, damit die Menschen in der Kirche feiern können. Aber nach dem Jahreswechsel wird Peker ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Es ist kein Zufall, dass die Stendaler Fachfrau für diese Arbeit ausgewählt wurde. Denn Peker kennt die Bützeraner Kirche besser als jeder andere. Bereits im Jahr 2004 verbrachte sie viel Zeit unter der Kirchendecke. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit dokumentierte sie den Zustand der Malereien. Kein Wunder also, dass sie erste Wahl war, als der Auftrag der Deckensicherung vergeben wurde.

Dabei ist dieser Auftrag eigentlich ein Nebenprodukt. Die Hauptaufgabe, der sich derzeit gewidmet wird, ist die Stabilisierung der Kirche. Denn die war akut vom Einsturz bedroht. Ein handbreiter Riss zog sich auf der Chorseite vom Fundament bis zum Dachstuhl. "Es ist ein Wunder, dass die Kirche trotz dieses Schadens stehen geblieben ist", sagt der für die Sanierung zuständige Architekt Stefan Winkler. Woher der Schaden stammt, weiß auch er nicht so genau. Fest stehe, dass es eine massive Erschütterung gegeben haben müsse.

In einem ersten Schritt musste es also darum gehen, das Bauwerk zu stabilisieren. Das ist geschehen. In die Apsis wurden Stahlanker eingezogen, die dem auseinanderdriftenden Mauerwerk wie eine Klammer Halt geben. Risse in den Wänden wurden geschlossen. Im nächsten Schritt soll der aus dem Lot geratene Dachstuhl gerichtet werden.

Bei diesen Arbeiten handele es sich um reine Stabilisierungsmaßnahmen, sagt Stefan Winkler. Damit werde die Grundlage für eine umfassende Sanierung der Kirche gelegt. Allerdings könne er nicht sagen, wann es zu einer solchen komme.

Wie so oft hängt alles vom Geld ab. Allein 64 000 Euro kostet die derzeit laufende Sicherung des Objektes. Die Hälfte der Summe steuert das Kulturministerium bei, den Rest bringt die Kirche auf. Ob es später zur Sanierung kommt, hängt vor allem davon ab, ob Fördermittel herangeschafft werden können.

Dieser Punkt wird auch darüber entscheiden, ob die Deckenmalereien nicht nur gesichert, sondern auch restauriert werden können. Eine Aufgabe, die es in sich hat. Denn bei ihren Untersuchungen hat Franziska Peker eine spektakuläre Entdeckung gemacht. Unter den sichtbaren Farbdarstellungen, die im Jahr 1910 aufgebracht wurden, hat sie Spuren viel älterer Malereien entdeckt. Peker schätzt, dass es sich um Malereien aus dem 14./15. Jahrhundert handelt. "Das ist schon etwas Besonderes, derart alte Malereien zu entdecken".

Allerdings wird es bei einer Sanierung nicht darum gehen, diese alten Spuren freizulegen. Denn auch die darüber liegenden Darstellungen genießen bereits Denkmalschutz. "Die können wir jetzt nicht einfach abkratzen", so Peker. Aber darum gehe es auch nicht. Das Wissen über das Vorhandensein der alten Darstellung sei entscheidend. Deshalb werde alles minutiös dokumentiert. Es sei durchaus vorstellbar, dass das Deckenbild von 1910 vorsichtig restauriert werde. Denn damit werde auch die darunter liegende Darstellung geschützt. Auch wenn man davon nichts sehe. (Von Markus Kniebeler)

Märkische Allgemeine vom 28. November 2009

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