DENKMAL: Heller und größer

Renovierung der Nauener St. Peter und Paul-Kirche kurz vor dem Abschluss

NAUEN - Alles wirkt heller und größer. Nach 30 Jahren hat der Innenraum der katholischen Kirche St. Peter und Paul in Nauen wieder eine farbliche Auffrischung erhalten. "Wenn die Sonne durch die Fenster scheint, sieht die Kirche jetzt ganz anders aus", zeigt sich Pfarrer Peter Szczerbaniewicz zufrieden mit dem Ergebnis.

Alles präsentiert sich jetzt elfenbeinfarben, lindgrüne Simse und Säulen gehören der Vergangenheit an. Unterhalb der Simse zieht sich ein goldfarbener Strich durch den Kirchenbau. Damit kein Regenwasser mehr durch die Betonglasfenster gelangen und für hässliche Spuren an den Wänden sorgen kann, wurden die Wasserauffangrinnen wieder aktiviert. Und alle Fenster erhielten zudem eine Grundreinigung, ebenso wie das Jesusmosaik in der Apsis.

Entscheidend dafür, dass der Kirchenraum nun einen neuen Eindruck bietet, ist jedoch etwas anderes: Die beiden Glaswände, die bisher den mittleren Teil des Querschiffes vom nördlichen und südlichen Bereich getrennt haben, sind jetzt nicht mehr vorhanden, sie wurden abgerissen genauso wie die ins Querschiff eingezogene Decke der Werktagskapelle. Auf diese Weise hat der Altarraum seine einstige Größe wiederbekommen.

Doch was für Liebhaber sakraler Bauten ein Gewinn ist, trifft nicht überall auf ungeteilte Freude. So etwa bei einigen Gemeindemitgliedern. Bernhard Ermer kennt das Gotteshaus wie seine Westentasche, hat in den vergangenen Jahrzehnten viel Herzblut reingesteckt. "Die Kirche ist wunderschön geworden. Doch nicht so schön ist, dass es die Kapelle nicht mehr gibt. Damit ist die familiäre Atmosphäre verloren gegangen", sagt der Rentner, der das Gemütliche an der im Jahre 1979 eingehausten kleinen Kapelle schätzte.

Auch bei anderen hatte dieser Punkt im Vorfeld der Renovierung für Kritik gesorgt. Viele der vor allem älteren Gemeindemitglieder monierten, dass es dann im Winter bei den Gottesdiensten zu kalt werden könnte, wenn alles offen ist. "Die Kirche hat viel an Wärme verloren. Es ist nur noch ein schöner Raum", sagt beispielsweise Aloys Pohland. Franz Scholz fügt hinzu, dass die Kapelle eine Errungenschaft für die Gemeinde war. Sie bezahlte damals den Bau aus eigener Tasche und muss nun auch noch für deren Abriss aufkommen. Nach Meinung von Gertrud Woitynek habe die Kirche jedoch insgesamt an Ausstrahlung gewonnen.

Damit es im Winter nicht zu kalt wird, sicherte Architekt Franz Hentschel eine verbesserte Heizung zu. Das Geld dafür ist Teil der für die Renovierung veranschlagten 50 000 Euro. Aber auch einige andere bauliche Veränderungen im Innenraum werden davon bezahlt. So erhält das Mittelschiff neue Seitenaltäre. Ist deren Verankerung in der Wand ausgehärtet, können Maria und Joseph wieder ihre angestammten Plätze einnehmen. Derzeit warten die beiden Skulpturen noch im rechten Teil des Querschiffes auf ihren Umzug, ebenso wie Maria und Johannes. Diese beiden Figuren werden in Kürze wieder die Kreuzigungsszene im südlichen Teil des Querschiffes komplettieren. Zudem ist geplant, den Altar vom Rand in die Mitte des Chores zu stellen.

Bei der derzeitigen Renovierung ist die Kirchengemeinde ausschließlich auf Spenden angewiesen. Immer noch fehlen 10 000 Euro, mit denen unter anderem ein Kronenleuchter für den Chorraum angeschafft werden soll. Der muss wohl noch warten. Für Pfarrer Szczerbaniewicz kein Grund, ungeduldig zu werden. "Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut", sagt er. (Von Andreas Kaatz)

Die Nauener Kirche St. Peter und Paul

Märkische Allgemeine vom 28. November 2009

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