Rettung für Taufengel

Die Arme sind abgebrochen, das Gesicht wirkt bröckelig. Die 1705 unter dem Dach der Kirche von Groß Breesen (Spree-Neiße) aufgehängte, aus Holz geschnitzte Engelsfigur hat schon bessere Zeiten gesehen. Doch nun wird der verfallene Engel restauriert.

Wenn Anfang des 18. Jahrhunderts in der Dorfkirche ein Kind getauft wurde, holte der Küster den Engel nach unten. Dicht über dem Boden schwebend hielt er dann eine Schale mit dem Taufwasser.

Pünktlich zu Beginn der Adventszeit starteten nun die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und das Brandenburgische Landesdenkmalamt am Mittwoch die Aktion "Menschen helfen Engeln". Mit 10 000 Werbepostkarten und 4000 Flyern wollen sie um Spenden für die Restaurierung alter Taufengel werben.

Überall in Brandenburg wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts herkömmliche Taufsteine durch Engel ersetzt, die dem Pfarrer das Wasser reichten, sagt Landeskonservator Detlef Karg. Heute sind noch 150 solcher Taufengel erhalten. Doch in 74 Fällen besteht dringender Restaurierungsbedarf. Denn Ende des 18. Jahrhunderts gerieten die Taufengel wieder aus der Mode. Unbeachtet verfielen sie auf kirchlichen Dachböden.

Heute sieht die Kirche die Beschäftigung mit den Taufengeln als einen Weg, um der Taufe wieder mehr Aufmerksamkeit zu geben. "Ich wünsche unseren Gemeinden, dass sie über die Taufengel einen neuen Zugang zur Taufe finden", sagt die Pröpstin Friederike von Kirchbach. "Und ich hoffe, dass es dort, wo ein Tauf engel restauriert wird, auch bald wieder Gelegenheiten gibt, ihn für seine ursprüngliche Bestimmung zu verwenden."

Dem Taufengel von Groß Breesen jedenfalls stehen bessere Zeiten bevor: Nach Angaben von Landeskonservator Detlef Karg hat Kultusministerin Martina Münch (SPD) eine Patenschaft für den Himmelsboten übernommen.

Von Benjamin Lassiwe

Lausitzer Rundschau vom 28. November 2009

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