Rettung für die Himmelsboten in Sicht

(benjamin Lassiwe). Schilde Die Spuren der Zeit sind dem Taufengel von Schilde anzusehen: Die Farbe ist abgeblättert, die Nase abgebröckelt. Und selbst seine Flügel hat der einst so stolze Himmelsbote im Laufe der Zeit verloren. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte ein unbekannter Künstler die Holzfigur geschnitzt. Hoch unter dem Dach des Kirchenschiffes war sie angebracht. Wenn dann einmal eine Taufe stattfand, ließ man die Figur nach unten. Über dem Fußboden schwebend reichte der hölzerne Engel dann dem Pfarrer die Schale mit dem Taufasser.

Doch nun soll der Schilder Taufengel restauriert werden. Denn pünktlich zu Beginn der Adventszeit starteten die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und das Brandenburgische Landesdenkmalamt die Aktion "Menschen helfen Engeln". Mit 10 000 Werbepostkarten und 4000 Flyern wollen sie um Spenden für die Restaurierung alter Taufengel werben. Überall in Brandenburg wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts herkömmliche Taufsteine durch Engel ersetzt, die dem Pfarrer schwebend das Wasser reichten, sagt Landeskonservator Detlef Karg.

Heute sind noch 150 solcher Taufengel erhalten. Doch in 74 Fällen besteht dringender Restaurierungsbedarf. Denn am Ende des 18. Jahrhunderts gerieten die Taufengel wieder aus der Mode. Unbeachtet verfielen sie auf kirchlichen Dachböden, zur Freude nur der Holzwürmer, die ihre Spuren hinterließen.

Heute dagegen sieht die Kirche die Beschäftigung mit den Taufengeln als einen Weg, um auch der Taufe selbst mehr Aufmerksamkeit zu schenken. "Ich wünsche unseren Gemeinden, dass sie über die Taufengel einen neuen Zugang zur Taufe finden", sagt die Pröpstin der EKBO, Friederike von Kirchbach. "Und ich hoffe, dass es dort, wo ein Taufengel restauriert wird, auch bald wieder Gelegenheiten gibt, ihn für seine ursprüngliche Bestimmung zu verwenden." Einem Taufengel, dem von Groß-Breesen in der Niederlausitz, stehen bessere Zeiten bevor: Denn nach Angaben von Landeskonservator Detlef Karg hat die neue Kultusministerin Martina Münch (SPD) eine Patenschaft für den geflügelten Himmelsboten übernommen. Bis aber alle 74 gefährdeten Taufengel der Mark wieder gesichert sind, wird noch viel Zeit vergehen.

Uckermark Kurier vom 28. November 2009

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