KIRCHE: Alle Pfeifen waren da

Die restaurierte Orgel im Kuhbierer Gotteshaus erklang nach Jahren das erste Mal wieder

 
Orgelbauer Matthias Beckmann hat das Instrument in der Kuhbierer Kirche restauriert.
Foto: Habekuss

KUHBIER - Noch fünf Minuten, zwei Frauen sind spät dran. Gleich soll zum ersten Mal auf der restaurierten Orgel in Kuhbier (Gemeinde Groß Pankow) gespielt werden. Die beiden beeilen sich. Als sie die letzten Meter zur Kirche gehen, schaut eine der beiden hoch: An einem gespannten Drahtseil hängt eine gewundene, weiße Skulptur, die viel Raum für Assoziationen lässt. "Was ist denn das?", fragt eine der Frauen skeptisch. Schulterzucken. "Kunst?" "Hm ..." Dann betreten sie die voll besetzte Kirche.

Eine exemplarische Szene, die sich hier am Sonnabend abspielte. Sagt sie doch einiges über Kuhbier und Josefine Edle von Krepl aus. Einerseits werden die Einwohner des Straßendorfes aus ihrer Nachbarin nicht so richtig schlau. Die leidenschaftliche Modesammlerin mit den feuerroten Haaren zog vor einem Jahr ins das Pfarrhaus nach Kuhbier.

Andererseits sind die Kuhbierer nicht scheu. Sie füllen die Kirche und zeigen, dass ihnen sehr wohl etwas daran liegt, dass wieder Leben in das kleine Gotteshaus kommt. Lässt man Josefine von Krepl erzählen, scheint die Restauration der Orgel selbstverständlich gewesen zu sein: "Eine leer stehende Kirche ist das Traurigste, was passieren kann: Schließlich ist sie gebaut, um Menschen in sich aufzunehmen", sagt von Krepl.

Orgelbauer Matthias Beckmann erinnert sich, wie er das gut erhaltene Instrument zum ersten Mal sah: "Alle Pfeifen waren noch vorhanden, nur verdreckt waren sie. Aber sie ließen sich noch spielen: Das zeugt von einer äußerst soliden Mechanik", erklärt er. 5000 Euro werde die Instandsetzung kosten, überschlug er. "Okay, das sammle ich", antwortete Josefine von Krepl lakonisch. So begann sie, Benefizkonzerte zu organisieren, nutzte ihre Kontakte zu Künstlern und Musikern. "Jedes Konzert motivierte mich aufs neue", erklärt die Sammlerin. Schnell kam Geld zusammen. Wichtiger jedoch war von Krepl der Zuspruch, den sie erhielt vor allem von den Einwohnern Kuhbiers.

Mittlerweile wurden mehr als 3000 Euro gesammelt. Es fehlt also noch einiges. Den vollen Betrag hat der Kirchenkreis Havelberg-Pritzwalk vorgestreckt. "Ich habe schon die Zusagen zu drei weiteren Konzerten", erklärt von Krepl. Denn was noch zu tun ist, sieht der Besucher sofort. Die Orgel klingt bei der Weihe am Samstag voll und schön, sieht aber nicht so aus. Wo sonst die großen Prospektpfeifen hingehören, die dem Instrument ein Gesicht geben, gähnt Leere. So trägt das Instrument Josefine von Krepls Botschaft selbst vor: "Wir haben viel geschafft. Lasst uns weitermachen." (Von Fritz Habekuß)

Märkische Allgemeine vom 21. Dezember 2009

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