150 Glöckchen ersetzen Kirchengeläut

Ogrosen "Immer mit dem Himmel im Bunde", antwortet Christel Paulick, wenn sie das Wunder der Kirchensanierung in Ogrosen (Dorfkirche des Monats Februar 2007) erklären soll. In diesem Jahr erfolgte der Auftakt der Arbeiten, die von einer anhaltenden wie ungewöhnlichen Spendenaktion begleitet werden. Zum Jahresabschluss gastierten Freunde vom Staatstheater Cottbus im evangelischen Gotteshaus und krönten Ogrosener Rastlosigkeit mit einem Konzert.

 
Ein bunter Reigen weihnachtlicher Melodien erklang in der Ogrosener Kirche.
Foto: U. Hegewald

"Es ist schön, dass Sie trotz dieses miesen Wetters gekommen sind", begrüßt Käthe Krüger die Konzertgäste und verteilt kleine Glöckchen. Mit den 150 Instrumenten sollen sich die Besucher über das Ausbleiben des Weihnachtsgeläuts in diesem Jahr hinwegtrösten. Die 1918 eingebauten Gussglocken sind im Zuge der Kirchturmsanierung ausgebaut worden und sollen durch zwei neue ersetzt werden. Während eines Lichtbildervortrages weist Pfarrer Stephan Magirius auf die Notwendigkeit des Glockentausches hin, für den nach ersten Schätzungen zusätzlich rund 15 000 Euro benötigt werden. "Bisher sind 100 000 Euro in den ersten Bauabschnitt geflossen, weitere 176 000 Euro sind für Teil zwei vorgesehen", berichtet der Pfarrer. Optimistisch sei er und dankbar, dass es Menschen gibt, die die Kirchensanierung couragiert begleiten. Stellvertretend nennt er den Gemeindekirchenrat um Käthe Krüger sowie Christel Paulick, Ehrenamts-Preisträgerin 2009 im Landkreis OSL. "Ich konnte an der Auszeichnungsveranstaltung nicht teilnehmen. Die Medaille müsste in viele kleine Stücke geteilt werden", sagt sie und erklärt das mit der Unterstützung vieler.

"Am 24. Mai 2005 ist die Spendenaktion angelaufen", sagt Christel Paulick. Von manchem sei sie damals für "verrückt" erklärt worden. Man müsse nur 250 000 Menschen finden, die einen Euro spenden, lautete das Ziel. Das Spendenkonto schwoll, wie auch die Zahl der Spender, erst recht nach dem Spendenaufruf, den das ZDF ausgestrahlte. "Es gab Überweisungen von Leuten aus der Schweiz, den USA oder auch von einem Lehrer, der in England Deutsch unterrichtet und beim Surfen im Internet auf unsere Aktion aufmerksam geworden ist", erzählt die Ogrosenerin. Eine Berliner Spenderin steuerte einen mehrstelligen Betrag bei, ein Senior aus Mönchengladbach überweist monatlich fünf Euro seiner Rente für die Sanierung des Gebäudes.

"Aus Oberbayern kam bereits die Zusage, zur Wiedereinweihung unserer renovierten Kirche ein Fass Freibier beizusteuern", ergänzt Christel Paulick und genießt dann das Weihnachtskonzert. An der Seite von "Prinzipalin Carola Fischer" (Mezzosopran), wie sie von Moderator Hans-Joachim Schröpfer (Bariton) genannt wird, präsentieren Katharina Dittmar (Sopran), Ralf Schlotthauer (Bass) und Peter Wingrich (Piano/Orgel) einen Reigen bunter Melodien. Das Publikum zeigt sich begeistert von der Musik und vom Baufortschritt an der Kirche. 204 138 Euro beträgt der Kontostand vor Konzertbeginn, den die Besucher am Vorabend von Heiligabend um weitere 965 Euro aufstocken.

Von Uwe Hegewald

Lausitzer Rundschau vom 28. Dezember 2009

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