Chancen für Sakralbauten auf dem Land

JUBILÄUM Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg wirkt seit zwei Jahrzehnten und kann viele Erfolge verbuchen.

Von Monika Strehlow

Uckermark. Als im Frühjahr 1990 der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. ins Leben gerufen wurde, nahm die Öffentlichkeit das Engagement der wenigen enthusiastischen Streiter kaum wahr. Heute kann sich der siebenköpfige Vorstand unter Leitung von Dr. Uwe Otzen auf 474 Mitglieder stützen - 359 persönliche Mitglieder, 95 Vereine, 13 Kirchengemeinden beziehunsweise -kreise und sieben Firmen. Und sie haben allen Grund, im Mai den 20. Vereinsgründungstag zu feiern, können sie doch in ihrem Streben um die Erhaltung, Instandsetzung und Nutzung von Kirchenbauten der ländlichen Region auf tolle Ergebnisse verweisen, was 2002 mit dem Brandenburgischen Denkmalpflegepreis anerkannt wurde.

So unterstützte der Förderkreis bisher 155 Kirchen mit insgesamt 667 851 Euro direkt. Zumeist handelt es sich um Zuschüsse, die Gesamtfinanzierung liegt oft um ein Vielfaches höher. "Denn wir achten darauf, dass das Geld in der Regel als Ko-Finanzierung in einem größeren Projekt verwendet wird", erklärt Geschäftsführer Bernd Janowski.

Der Förderkreis hat nicht nur die Gründung von Vereinen, die sich dem Erhalt ihrer Dorfkirche widmen, angeregt und unterstützt. Heute arbeitet er mit rund 250 lokalen Fördervereinen in Brandenburg zusammen Darüber hinaus unterhält er enge Kontakte zu Kirchengemeinden sowie kirchlichen und staatlichen Behörden. "Wir beraten, vernetzen, stellen Kontakte zu Institutionen der Denkmalpflege, Ministerien, Sponsoren, Stiftungen her, moderieren Planungsgespräche, finanzieren Schadensgutachten, vermitteln Benefizkonzerte und so weiter", berichtet Janowski. Vor allem aber stellt der Verein Öffentlichkeit her, wirbt mit Projekten und Aktionen um sein Anliegen. So rückt der Förderkreis seit neun Jahren zum Beispiel "seine" Dorfkirche des Monats in den Mittelpunkt. Als Erstes wurde im Januar 2002 zur Unterstützung der Dorfkirche Jakobshagen aufgerufen. Seitdem richtete der Verein die Aufmerksamkeit auch auf andere uckermärkische Kirchen wie die in Gollmitz, Küstrinchen, Blindow, Malchow, Groß Fredenwalde, Melzow, Boitzenburg, Strehlow, Arendsee, Felchow, Rosow, Stegelitz, Passow, Lindenhagen, Bagemühl, Sternhagen oder Seehausen.

Seit 2002 schreibt der Förderkreis auch das "Startkapital für neu gegründete Kirchen-Fördervereine" in Höhe von 2500 Euro aus, von dem bisher 55 lokale Vereine profitierten, im Vorjahr zum Beispiel auch der Förderverein Dorfkirche Seehausen. Damit sollen den Vereinen vor allem die Gründungsjahre erleichtert werden.

Mit Projekten wie "Theater in der Kirche", "Musikschulen öffnen Kirchen" oder "Kunst und Kultur in Dorfkirchen" gibt der Förderkreis vielfältige Anstöße zur Nutzung der Sakralbauten. Ausstellungen, Exkursionen, Malwettbewerbe und nicht zuletzt Publikationsreihen steigerten den Bekanntheitsgrad ebenso wie sein besonderes Engagement zur Rettung von Dorfkirchen zum Beispiel in Küstrinchen, Strehlow oder Passow in der Uckermark.

Der 20. Gründungstag des Vereins spielt natürlich auch in dessen neuem, dem zehnten Jahresjournal "Offene Kirchen 2010" eine Rolle, das noch vor Ostern mit einem Beitrag "Der demografische Wandel und die Zukunft unserer Dorfkirchen" erscheinen soll. Mit der Jubiläumsausgabe will der Förderkreis einen Ausblick auf die Chancen und Möglichkeiten seiner weiteren Arbeit unternehmen. Erneut wird es dazu einen Wegweiser zu den Kirchen im Land Brandenburg geben. Der umfasst inzwischen etwa 900 Kirchen von rund 1400 im Land Brandenburg. Damit werden Besucher eingeladen, die meist Jahrhunderte alten Kirchenbauten zwischen Oder und Elbe, Uckermark und Lausitz für sich zu entdecken.

In fachkundigen Beiträgen geht es dann um rätselhafte Schachbrettsteine an Feldsteinkirchen. Dr Rainer Fisch widmet sich dem Renaissancealtar der Menkiner Kirche und Klaus Binder nimmt die Wetterfahnen auf uckermärkischen Kirchtürmen ins Visier. "Wir gehen der Frage nach, wie mittelalterliche böhmische Kunst in märkische Kirchen gelangte und wagen einen Blick über Oder und Neiße zu den Kirchenbauten im ehemaligen Ostbrandenburg", macht Bernd Janowski neugierig. "Die Wiedereröffnung der Berliner Nikolaikirche als Museum ist uns ebenso einen Beitrag wert wie die erst 1933 eingeweihte Kirche in Bergfelde nahe Oranienburg. In Interviews möchten wir vom neuen Bischof unserer Landeskirche, Dr. Markus Dröge, sowie von der ebenfalls erst einige Monate im Amt befindlichen brandenburgischen Kulturministerin, Dr. Martina Münch, wissen, welche Chancen sie für die Zukunft unserer Kirchengebäude im ländlichen Raum sehen."

Ausführlich vorgestellt werden wiederum Beispiele engagierter und fantasievoller Initiativen zur Sanierung und vielfältigen Nutzung der Kirchen im Land.

Das Heft "Offene Kirchen 2010" erscheint am 22. März und kann beim Förderkreis Alte Kirchen (Telefon: 030 4493051; E-Mail: altekirchen@aol.com) bestellt werden.

Uckermark Kurier vom 10. März 2010

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