Aus für katholische Kirche in Kolkwitz

Kolkwitz Am Palmsonntag wird in der katholischen Kirche in Kolkwitz der letzte Gottesdienst gefeiert. Das hat lokale, aber auch überregionale Gründe. Denn auch die katholische Kirche steckt in der Krise. "Der drastische Rückgang der Katholikenzahl im Bistum Görlitz und die sich verschärfende Finanzkrise der Katholischen Kirche in Deutschland erfordern veränderte Strukturen in vielen deutschen Diözesen", heißt es im Amtsblatt des Bistums Görlitz, zu dem auch die Stadt Cottbus und ihr Umland gehören.

 
In der katholischen Kirche Kolkwitz wird Palmsonntag die letzte Messe gefeiert.
Foto: Propstei

Zu diesen Strukturveränderungen gehören auch Einpfarrungen, das heißt, dass die Gläubigen eines Ortes in eine Pfarrei eingegliedert werden. Die Kolkwitzer Katholiken gehören schon seit Längerem der Propstei St. Marien in Cottbus an. Den Gottesdienst konnten sie aber bislang in ihrem eigenen Kirchengebäude in der Ströbitzer Straße in Kolkwitz besuchen.

Nach dem 28. März wird es dort aber keine Heilige Messe mehr geben. "Die Zahl der Katholiken ist auch in Kolkwitz rückläufig. Derzeit sind es noch 104", erklärt Propst Thomas Besch. Zwar hätten auch Katholiken aus Hänchen und Klein Gaglow die Messe in Kolkwitz besucht, doch eine aus organisatorischen Gründen notwendige Verlegung des Gottesdienstes auf den Sonntagabend habe die Zahl der Kirchgänger zusätzlich schrumpfen lassen.

So erschien dem Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand die Aufgabe der Filialkirche ratsam. Ein Argument sei neben den oben genannten und finanziellen Gründen auch die Personalnot bei den Priestern gewesen, sagt Propst Besch. Das Gebiet der Pfarreien, das die drei katholischen Geistlichen der Propstei abzudecken haben, reiche von Peitz über Cottbus bis nach Drebkau. "Wir wissen nicht sicher, ob nicht auch die Zahl der Seelsorger in Cottbus rückläufig sein wird", sagt Besch. Für die Kolkwitzer Katholiken sei die Schließung ihrer Kirche sicher schmerzlich, sagt der Propst, doch die sinnvolle Gestaltung der Seelsorge legt diesen Schritt nahe.

Ob und wie das Kirchengebäude nach dem Palmsonntag genutzt wird, stehe noch nicht fest. "Das Kirchengebäude ist bereits profaniert. Der Verwaltungsakt ist die Voraussetzung dafür, dass das Gebäude für würdige und weltliche Zwecke genutzt oder auch verkauft werden kann", erklärt Besch. Den Kolkwitzer Katholiken stehe die Cottbuser Propsteikirche St. Marien immer offen, betont der Geistliche.

Darüber hinaus bestehe auch die Möglichkeit, evangelische Gottesdienste in Kolkwitz zu besuchen. "Dort funktioniert die Ökumene", ergänzt der Propst nicht ohne Zuversicht.

Leicht fällt den Kolkwitzer Katholiken der Verzicht auf ihre Kirche dennoch nicht. "Aus Briefen weiß ich, wie weh das einigen tut, die die Kirche mit aufgebaut haben", sagt Markus Kremser, der Sprecher des Bistums Görlitz. Er verweist aber darauf, dass tatsächlich nur eine kleine Gruppe betroffen sei und die Wege zu den nächstgelegenen katholischen Kirchen zumutbar seien. "Für uns ist es schlichtweg eine Kostenfrage. Ich denke, es ist wichtiger, in die Seelsorge zu investieren, als Gebäude zu halten", so Kremser.

Von Nicole Nocon

Lausitzer Rundschau vom 17. März 2010

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