KIRCHE: Ausgezeichnete Pfarrer

Die Milower Theologen Hilke und Christoph Seydich sind das "Pfarrehepaar des Jahres"

 
Christoph und Hilke Seydich vor der Dorfkirche in Milow.
Foto: Rietschel

MILOW - Das Milower Pfarrhaus liegt direkt im Stremmewinkel, schräg gegenüber dem Gutskomplex. Eine alte Scheune schirmt den Verkehr der Hauptstraße erfolgreich ab. Auf dem Hof ist es erstaunlich idyllisch. Hinter dem Haus erstreckt sich der große Pfarrgarten, von dem aus man direkt auf die überschwemmten Stremmewiesen blickt.

Es gibt bedeutend hässlichere Arbeitsplätze als den von Hilke und Christoph Seydich. Seit Mai 2009 teilen sich die beiden Theologen die Pfarrstelle der evangelischen Kirchengemeinde Milow. Offensichtlich erfolgreich. Immerhin wurden sie von dem konservativen christlichen Wochenblatt "idea Spektrum" zum "Pfarrehepaar des Jahres" gekürt.

In der Begründung heißt es sinngemäß, die beiden Pfarrer seien wegen ihres politischen Engagements ausgezeichnet worden: So erinnerten sie unter anderem mit einem Gottesdienst an den Volksaufstand in der DDR von 1953 und hielten auch mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg, als der hauptamtliche Bürgermeister Peter Wittstock trotz erwiesener langjährige Stasimitarbeit 2009 in seinem Amt bestätigt wurde.

"Das mit der Auszeichnung ist eher zufällig zustande gekommen", macht Hilke Seydich deutlich. Der idea-Chefredakteur habe ab und zu in der Region zu tun und habe dann auch in der Gemeinde Milow vorbeigeschaut. Überhaupt spiele die Politik bei der alltäglichen Kirchenarbeit keine bedeutende Rolle.

"Wir betreuen die Kirchen in Bützer, Böhne, Vieritz, Zollchow und Schmetzdorf", sagt Christoph Seydich. Jeden Sonntag gibt es zwei Gottesdienste, dazu kommen die sonstigen Pflichten wie Taufen, Beerdigungen, Seelsorge, Konfirmandenunterricht. . .

Die brandenburgische Provinz ist nicht gerade eine Hochburg des Christentums. Trotzdem zählt die Kirchengemeinde immerhin noch rund 580 Mitglieder, von denen immerhin rund 30 regelmäßig zum sonntäglichen Gottesdienst kommen. "Dass sich die Zahl der Kirchgänger in nächster Zeit deutlich erhöht, ist nicht zu erwarten", sagt Christoph Seydich. Wie allen anderen Institutionen macht auch der Kirche der demografische Wandel zu schaffen. Deshalb sollte man eher nach dem Motto des ehemaligen Magdeburger Bischofs Axel Noack arbeiten: "Fröhlich kleiner werden, aber trotzdem wachsen wollen".

Dazu gehört auch der Erhalt der vielen alten Dorfkirchen in der Gemeinde: Von den sechs Kirchen waren viele baufällig. Vor einigen Jahren wurde die Vieritzer Kirche saniert, jetzt ist die Kirche von Bützer dran: "Das ist eine richtig alte romanische Kirche", sagt Christoph Seydich. Das marode Dach drohte die Wände des Chorraums auseinander zu drücken. Zumindest an dieser Stelle ist der Verfall des Kleinods vorerst gestoppt: Die Seydichs konnten insgesamt rund 30 000 Euro an Fördermitteln auftreiben. Die restlichen gut 30 000 Euro kamen von der Gemeinde, dem Kirchenkreis, der Landeskirche und anderen Spendern. Im kommenden Jahr soll dann das Kirchenschiff renoviert werden.

Auch für dieses (finanzielle) Engagement zum Erhalt der alten Dorfkirchen hätte das Pfarrehepaar eine Auszeichnung verdient. (Von Ralf Stork)

Märkische Allgemeine vom 27. März 2010

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