RELIGION: Dem Gotteshaus droht der Abriss

Weil sie seit Jahren absackt, ist die Zukunft der katholischen Kirche in Friesack ungewiss

FRIESACK - Bereits seit Jahren ist es offensichtlich: Das katholische Gotteshaus in der Friesacker Rhinstraße sackt ab und ist dadurch an einigen Stellen im Mauerwerk stark gerissen. Nun stehe deshalb sogar ein Abriss des Gebäudes zur Debatte, sagte Stefan Plehn, Mitglied im Kirchenvorstand. Doch dies will er gemeinsam mit Katholiken aus Friesack und Umgebung sowie weiteren Bürgern verhindern. Ein Förderverein soll gegründet werden.

"Wenn das Bauwerk verschwindet, wäre das katastrophal. Nicht nur für uns, sondern für das gesamte historische Stadtbild", betont Plehn. Die Friesacker Katholiken zählen zur Kirchengemeinde Sankt Peter und Paul in Nauen. Diese gehört zum Erzbistum Berlin, das Träger der Rosenkranz-Kirche in der Rhinstraße ist.

Zweimal schon ließ es das Gotteshaus sperren. Ein Statiker beurteilte es als einsturzgefährdet. Nur mit der Option, verschiedene Anker einzubauen die sollen das Mauerwerk stabilisieren und verhindern, dass es weiter reißt konnten die Gläubigen wieder in ihre Kirche. Die Frist für die Nutzung des Gotteshauses läuft aus Sicherheitsgründen am 30. September ab. Fraglich bleibt, wie es dann mit dem Gebäude weitergeht.

Das Erzbischöfliche Ordinariat (EBO) in Berlin hält sich bedeckt. "Eine Entscheidung über einen Abriss ist noch längst nicht gefällt", sagt Pressesprecher Stefan Förner. Das EBO sei daran interessiert, die Kirche zu erhalten. Auf die Frage, ob es das nötige Geld für eine Sanierung aufbringe, hat er aber "keine positive Antwort". Inwieweit dabei die geringe Anzahl der Gottesdienstbesucher in Friesack eine Rolle spielt, will er nicht sagen. Ausschlaggebend für das weitere Vorgehen seien Gespräche mit der Kirchengemeinde. Dabei entscheide sich auch, ob der Förderverein das Gotteshaus auf eigene Initiative retten darf. "Wir brauchen natürlich ein schlüssiges Konzept vom Verein", so Förner.

Als dauerhafte Alternative zur Sanierung bietet das EBO den Katholiken an, einen Bereich im Friesacker Pfarrhaus in der Berliner Allee zu einem Gebetsraum auszubauen. Diesen Vorschlag wollen Plehn und seine Mitstreiter aber erst dann akzeptieren, wenn jeder Versuch gescheitert ist, das Gotteshaus zu erhalten. Gemeinsam mit Pfarrer Peter Szczerbaniewicz hoffen sie auf eine einvernehmliche Lösung mit dem EBO.

Fraglich bleibt, woher trotz Fördervereins ausreichend Geld kommen soll. Aus einem Gutachten des Architekten Werner Jockeit geht hervor, dass etwa 237 000 Euro für eine komplette Instandsetzung des Gebäudes nötig sind. Zwar befindet es sich im Sanierungsgebiet des Ortes. Dass jedoch Geld aus dem Topf der Städtebauförderung kommt, hält Amtsdirektor Christian Pust für "eher unwahrscheinlich".

"Vielleicht können wir die Kirche nach und nach in Eigenleistung sanieren", spekuliert Plehn. Laut Jockeit müsse zunächst die angebaute Sakristei abgetragen und das Fundament des Hauptgebäudes neu gegründet werden. Ein kompletter Abriss des Bauwerkes sei nicht nötig. Dieser ließe sich auch verhindern, wenn das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wird. Darüber wollen Marie-Luise Buchinger vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und ihre Kollegen demnächst entscheiden. (Von Susanne Grimm)

Märkische Allgemeine vom 29. März 2010

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