DENKMALSCHUTZ: Jeder Kirchbauverein schafft eine neue Dorfmitte

Seit 20 Jahren gibt es den Förderkreis "Alte Kirchen" in Brandenburg

KÖNIGS WUSTERHAUSEN - Noch kann man sie an einer Hand abzählen, die Kirchfördervereine im Nordkreis. Fünf sind es aktuell: Wernsdorfs "Kirchbauverein" machte 1998 den Anfang, im Jahr darauf folgte Schulzendorf, noch einmal fünf Jahre später Wildau. Und jüngst 2009 haben sich in Halbe und Niederlehme Kirchfördervereine gegründet. Ihr Engagement ist dasselbe, die Kirche jeweils die im Dorf, und in den seltensten Fällen hängt der Einsatz vom Glauben ab.

Der Berliner Süden hat noch Potential, denn abgesehen von zwei weiteren Fördervereinen in Luckau, stehen die Dorfkirchen im Dahmeland weitgehend ohne personalisierte Lobby da. Zum Vergleich: Im Norden von Brandenburg, den Landkreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Barnim, sind drei Dutzend Kirchfördervereine aktiv. "Dorthin sind in den vergangenen Jahren auch die meisten Fördergelder geflossen", belegt Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Kurz nach der Wende hatte sich der Verein gegründet, existiert nunmehr seit 20 Jahren. Und ist seinem Ziel, die Kirchen im Dorf zu lassen, ein gutes Stück nähergekommen. Das seit zehn Jahren erscheinende Heft "Offene Kirchen" ist mit 900 Adressen so dick wie nie. "Angefangen haben wir mit 120 Einträgen", kann sich Bernd Janowski erinnern. Die Zahl der Fördervereine liegt bei 254. Die Initiative zu Erneuerung der baufälligen Halber Dankeskirche wurde 2009 mit dem "Startkapital für neue Kirchenförderer" ausgezeichnet, in diesem Jahr bewerben sich die Niederlehmer um die Anschubfinanzierung, 2500 Euro. Bislang mit nur einem Konkurrenten aus Elbe-Elster.

"Viele der als Kirchbauvereine gegründeten Initiativen erfüllen inzwischen in ihren Orten wichtige soziokulturelle Funktionen", schildert der Chef des Förderkreises. "Sie tragen dazu bei, die Kirchen an kleineren Orten wieder zu Kommunikationsräumen werden zu lassen." Die Skala nach oben ist offen, an Ideen mangle es nicht, aber am Geld: Fördermitteltöpfe sind rar, die Gemeinden mit dem Unterhalt ihrer Kirche ausgelastet. Vor zwei Jahren gründete der Dachverein deshalb die Stiftung brandenburgische Dorfkirchen, die Förderern vor Ort hilft.

Fast alle Kirchen im Landkreis stehen auf der Landesdenkmalliste. Drei Ausnahmen bestätigen die Regel: Schönefeld, Märkisch Buchholz und Friedersdorf haben noch keine blaue Denkmalplakette. Irmgard Ackermann vom Landesamt für Denkmalpflege erklärt, warum: "Die Kirchen in Schönefeld und Märkisch Buchholz wurden im Krieg stark zerstört, es ist schwer zu rekonstruieren, welche Substanz wirklich wie alt ist." Und Friedersdorf? "Hat Solarzellen auf dem Dach des Kirchenschiffs", rechtfertigt die Behörde. Das sei mit den denkmalpflegerischen Vorschriften unvereinbar. Vorerst wird daher keine der drei Kirchen auf die Liste gesetzt. Voriges Jahr bekam die Kirche in Oderin den Denkmalstatus verliehen, ein Jahr zuvor ging er nach Halbe. (Von Tanja Kasischke)

Märkische Allgemeine vom 07. April 2010

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