Die Erwecker

Förderkreis "Alte Kirchen" feiert 20-jähriges Jubiläum

Von Mona Schröder

 
Die Vicheler Kirche schien dem Untergang geweiht, bis sich ein Förderverein ihrer annahm. 2008 wurde mit Aufräumarbeiten in dem alten Gemäuer begonnen.
Archiv-Foto: Kluge

OBERHAVEL Von der Aufbruchsstimmung im Jahr 1990 profitierten auch Brandenburgs Kirchen: Im Frühling des Wendejahres gründeten Menschen aus Ost und West gemeinsam den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. In diesem Jahr wird das 20-jährige Jubiläum gefeiert.

Über lange Zeit waren Kirchenbauten in der DDR vernachlässigt worden - durch politisch-ideologisch gelenktes Desinteresse oder bloße Unaufmerksamkeit. Laut Bau- und Kunsthistoriker Professor Ernst Badstübner gab es zwar auch in der DDR pflegerische und restauratorische Bemühungen um den Erhalt von Baudenkmalen. "Doch waren die Möglichkeiten gegenüber notwendigen Maßnahmen zu begrenzt. Manche Kirche blieb ohne Dach und manches Landschloss verlor durch unangemessene Nutzung die historische Gestalt", schreibt Badstübner im Geleitwort des Jubiläumshefts des Förderkreises "Offene Kirchen 2010".

Entsprechend wollte der Förderkreis von Anfang an Gemeinden und Denkmalpflegebehörden helfen, finanzielle Mittel zu sammeln und vor allem auch das öffentliche Interesse an den Identität stiftenden Kirchenbauten zu wecken.

Gelungen ist dies zum Beispiel in Vichel. Das Dach einsturzgefährdet, der Hausschwamm im Gebälk - die Kirche war nicht nur bauaufsichtlich gesperrt, sondern schien dem Untergang geweiht: 2004 stand der Abriss zur Diskussion. Nach der Gründung eines Fördervereins 2007 und dem anschließenden Sammeln von Geld konnte im Frühjahr 2008 mit der Sanierung der Kirche begonnen werden. Ohne öffentliche Mittel, sondern mit Geldern der Kirchengemeinde, des Fördervereins und eben auch des Förderkreises Alte Kirchen sind seitdem Schritt für Schritt Arbeiten durchgeführt worden, inzwischen finden wieder Gottesdienste statt.

"Die Vicheler Kirche ist auf einem erfolgreichen Weg - und dieser wird sich 2010 fortsetzen", steht dazu im Jubiläumsheft.

Darin findet sich nicht nur die Geschichte der Vicheler Kirchensanierung, auch zahlreiche weitere brandenburgische Gotteshäuser werden vorgestellt, etwa die Bergfelder Dorfkirche. Eindrucksvoll zeigt das Heft, welche Früchte das Engagement des Förderkreises trägt.

Entsprechend fällt dessen Bilanz der vergangenen 20 Jahre positiv aus. Das Jubiläum wird am 8. Mai um 15 Uhr im Potsdamer Nikolaisaal gefeiert. Dazu wird unter anderen Wolfgang Huber, evangelischer Bischof im Ruhestand, erwartet.


 

Exkursionen

Auch in diesem Jahr bietet der Förderkreis Bus-Exkursionen zu Dorfkirchen in Brandenburg und Umgebung an - darunter auch eine "Auf den Spuren des Trauerzuges für Königin Luise" am 16. und am 20. Juni. Los geht's um 8 Uhr am Berliner Dom, über Neustrelitz führt die Exkursion dann zur Dorfkirche in Dannenwalde, die nach langem Verfall in den 1990er Jahren saniert werden konnte. Im Anschluss geht es nach Grausee, wo unter anderem die Stadtkirche St. Marien besichtigt wird. Die Teilnahme kostet 45 Euro.

(mona)

 
Die achteckige Dannenwalder Kirche von 1821 ist ein Exkursionsziel.
Archiv-Foto: Trebs

Oranienburger Generalanzeiger vom 14. April 2010

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