Mit Kunst und Kultur

VON JÜRGEN SCHWENKENBECHER

In Brandenburg gibt es kaum einen Ort, der nicht über wenigstens eine Kirche verfügt. Rund 1 400 evangelische und katholische Dorfkirchen sind im Land erhalten geblieben. Sie gehören zum Landschaftsbild - auch wenn ihr Zustand nicht selten beklagenswert ist. Geld für Sanierungen steht nur begrenzt zur Verfügung und muss in jedem einzelnen Fall aus verschiedenen Quellen aufgetrieben werden.

"In den vergangenen 20 Jahren ist aber schon ungemein viel passiert", sagt Bernd Janowski, der Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Unzählige Dächer wurden erneuert, Fundamente trocken gelegt, Giebel überholt. Viele Fördervereine kümmern sich vor Ort um den Erhalt der Kirchen. Deren baulicher Zustand sei im ländlichen Bereich nicht mehr flächendeckend das Problem, sagt Janowski. "Sträflich vernachlässigt wurde bisher die Ausstattung wie Orgeln und Taufengel."

Vor allem aber: Nicht nur für die christlichen Kirchen stellt sich seit langem die Frage nach der künftigen Nutzung von den oft großen Gotteshäusern in kleinen Dörfern, die als Baudenkmal aber häufig einen unschätzbaren Wert haben. Nur noch jeder fünfte der 2,5 Millionen Brandenburger zahlt nach statistischen Angaben Kirchensteuer, etwa jeder hundertste gehört zu den Gottesdienstbesuchern.

Trotzdem sind Kirchen inzwischen wieder zunehmend mit Gästen gefüllt, denen der Glaube an Gott nicht selten fern liegt. Kultur- und Kunstveranstaltungen verschiedenster Art machen es möglich. "Wir organisieren Konzerte, Theater und Ausstellungen", sagt Bernd Janowski. So bringt der Verein mit seinem Projekt "Theater in der Kirche" seit 1997 jedes Jahr 20 Auftritte in die Dörfer. Für ein anderes Projekt, "Musikschulen öffnen Kirchen", sind allein in diesem Jahr 35 Konzerte geplant. Die Einnahmen können in die Sanierung fließen.

Ein nicht unwichtiger Nebeneffekt: Die Veranstaltungen in der Kirche bringen die Kultur, die seit der Wende weggebrochen ist, wenigstens zum Teil auf das Land zurück. Die Kirchen sind geblieben, und eine stimmungsvollere Kulisse für ein Konzert lässt sich kaum finden.

Mehr Informationen unter der Telefonnummer 030/449 30 51.
Oder im Internet: www.altekirchen.de

Berliner Zeitung vom 15. April 2010

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