Friesacks Kirche wackelt

Das katholische Gotteshaus steht auf weichem Grund. Ein Förderverein versucht die Rettung

VON KATRIN BISCHOFF

 
Auf wackligem Grund: Die katholische Kirche in Friesack darf nur noch bis September betreten werden.

FRIESACK. Die katholische Kirche in Friesack (Havelland) wackelt. Sie sackt auf dem instabilen Untergrund ab. Seit Jahren schon. Risse in den Wänden zeugen davon. Stefan Plehn vom Kirchenvorstand kennt die Kirche seit 20 Jahren. Immer schon habe sie Risse gezeigt, sagt er. Nun aber hat ein Statiker festgestellt, dass das 130 Jahre alte Bauwerk einsturzgefährdet ist. Nach Sicherungsmaßnahmen können die Gläubigen nur noch wenige Monate die Kirche betreten. Dann ist Schluss. Dem Gotteshaus droht der Abriss.

"Wir hätten die Kirche gerne sanieren lassen und haben dazu ein Konzept in Auftrag gegeben", erzählt Plehn. Das war vor zwei Jahren. Ein Statiker habe damals in dem Bauwerk mit den rissigen Wänden eine Gefahr gesehen. Die Kirche wurde gesperrt. Eingebaute Anker, die das Mauerwerk stabilisieren sollen, machten es zunächst möglich, dass die Gläubigen weiterhin in der Kirche ihren Gottesdienst feiern konnten.

Gnadenfrist bis Ende September

Bis zum vergangenen Winter. Per Fax wurde der Kirchengemeinde mitgeteilt, dass aufgrund der Schneelast eine akute Einsturzgefahr bestehe. Nur ein weiterer Anker, der einen Riss an einem der Fenster aufhalten sollte, machte es erneut möglich, die Kirche zu nutzen. Die Gläubigen erhielten eine Gnadenfrist, die am letzten Septembertag dieses Jahres ausläuft. "Nachverhandlungen über weitere Sicherungsmaßnahmen sind dann nicht mehr möglich", sagt Plehn.

Und wenn die Kirche einsturzgefährdet ist, dann bleibe nur eins: der Abriss. "Aber damit wollen wir uns nicht abgeben", sagt Plehn. Gemeinsam mit Katholiken aus der Umgebung von Friesack sowie Einwohnern will er einen Förderverein gründen und Geld für die Sanierung des Gotteshauses sammeln. "Wir wollen die Sache selbst in die Hand nehmen", sagt Plehn. 237 000 Euro sind nach einem Architekten-Gutachten für die Sanierung der Kirche notwendig. "Schön wäre es, wenn das Erzbischöfliche Ordinariat mit einem Startgeld mit im Boot sitzen würde", sagt Plehn.

Die katholische Kirche in Friesack besuchen jeden Sonntag 15 bis 20 Gläubige. Rund 200 Katholiken gibt es laut Plehn im Amtsbereich. Die Kirche in Friesack gehört zur Kirchengemeinde Sankt Peter und Paul in Nauen. Diese wiederum zählt zum Erzbistum Berlin. "Wir sind mit der Gemeinde über die Zukunft der Friesacker Kirche im Gespräch", sagt Stefan Förner, der Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats. Noch sei keine Entscheidung gefallen, auch nicht über einen Abriss. Ob der Förderverein die Kirche retten darf, darüber entscheide das Konzept. Geld will man offenbar nicht in die Hand nehmen.

Stefan Plehn sagt, das Erzbischöfliche Ordinariat hätte den Friesacker Katholiken angeboten, im Pfarrhaus in der Berliner Allee einen Gebetsraum auszubauen. Möglich sei auch, die evangelische Kirche im Ort mitzunutzen. Das Gebäude wird gerade saniert. "Ich habe nichts gegen die evangelische Gemeinde, aber mir liegt die katholische Kirche sehr am Herzen", sagt Plehn. Ein Kirchenabriss hätte zu dem eine schlechte Signalwirkung.

Sakristei muss weg

Außerdem kostet der Abriss auch Geld, und der Ausbau eines Raumes im Pfarrhaus sei auch nicht gerade billig. Alles Geld, das man in die Sanierung stecken könnte. Zudem glaubt Plehn, dass man für den Erhalt der Kirche nicht die vom Architekten angegebene volle Summe von 237 000 Euro benötige. "Wir brauchen beispielsweise kein neues Dach, da reicht eine Reparatur."

Fest steht aber, dass bei einer Sanierung zunächst die Sakristei abgetragen und das Fundament des Haupthauses neu gegründet werden muss. Der Architekt regte auch an, die Kirche unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Auch dann kann das Bauwerk nicht so einfach weggerissen werden. "Natürlich könnte man die Kirche so retten. Aber ich empfinde das als Trickserei", sagt Stefan Plehn.

Berliner Zeitung vom 15. April 2010

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