RESTAURIERUNG: Kostbarkeiten im Niebendorfer Gotteshaus

Dirk Jacob bringt alte Schätze wieder zum Funkeln / Benefizkonzert am 8. Mai

NIEBENDORF - Die Feldsteinkirche im kleinen Niebendorf gilt als Kleinod. Wer das von außen unauffällig wirkende Gotteshaus betritt, findet in dessen Innerem umso mehr, worüber sich staunen lässt.

Seit wenigen Tagen haben die am Altar befestigten und in leuchtenden Farben auf die hölzerne Deckenverkleidung gemalten Engel Besuch. Mit Pinsel, Pinzette, Pipette und einer ganzen Batterie geheimnisvoller Tinkturen rückt Restaurator Dirk Jacob den Kostbarkeiten auf den Leib. "Die Farbe ist oxidiert und hat an vielen Stellen bereits die Haftung zur Grundierung verloren", sagt der Restaurator und deutet auf die vielen, deutlich sichtbaren Fehlstellen. 18 000 Euro sind für die Restaurierung alleine des Altars veranschlagt. Auftraggeber ist die Pfarrgemeinde. Betreut werden die Arbeiten von der Denkmalschutzbehörde des Landkreises und vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege.

Bereits im vorigen Herbst hat der Restaurator der Kirche einen ersten Besuch abgestattet und die abnehmbaren Teile mit in seine Werkstatt im Berliner Prenzlauer Berg genommen. Die beiden Altarwangen und der oben aufgesteckte Auszug samt Strahlengloriole kamen hier zu neuem Glanz und vor allem zu neuer Festigkeit.

Helfer zu finden, die das Gerüst im Kirchenschiff aufbauten, fiel nicht schwer. Denn das Schicksal ihres Gotteshauses liegt den Gemeindemitgliedern und auch den nichtchristlichen Dorfbewohnern am Herzen. Knapp 6000 Euro kamen bei einer Haustürsammlung in den Ortsteilen Heinsdorf und Niebendorf, sowie durch das Einsammeln von Kollekten allein im vergangenen Jahr zusammen. Jeweils 1500 Euro steuerten die Kommune Dahme und der Förderverein Alte Kirchen bei. Fördermittelanträge bei der Unteren Denkmalschutzbehörde, sowie der VR-Bank stehen noch aus. Denn Geld wird noch reichlich benötigt, bevor alle Kostbarkeiten des frühbarocken Gotteshauses gesichert sind. Auf mehr als 100 000 Euro belaufen sich die Kostenvoranschläge für die in weiteren Bauabschnitten folgende Sanierung der bemalten Holzdecke, der Patronatslogen, der Kanzel und des Beichtgestühls, das zu den Kuriositäten eines protestantischen Gotteshauses gehört. Die aus vier Glasröhren bestehende Sanduhr auf der Kanzel ist eine weitere Besonderheit. "Besonders die Jugend hat früher immer darüber gewacht, dass der Pastor nicht zu lange, aber auch nicht zu kurz predigte", erinnert sich Kirchenältester Werner Rendel.

Das Engagement der Niebendorfer für den Erhalt ihrer Kirche hat sogar Superintendentin Katharina Furian beeindruckt, die Geld für die Sanierung des Dachstuhls bewilligte. "Den Dreck von Jahrhunderten haben wir dort vorher mit unseren Händen rausgewühlt", erzählt Rendel. Unter Unmengen alter Lehmziegel, vom Holzwurm zernagter Bretter und Taubendreck kamen ein tadellos erhaltenes Sargtuch und zwei Taufengel zum Vorschein, die seit Jahrzehnten als verschollen galten.

Zum 8. Mai laden die Niebendorfer ab 14 Uhr zur Besichtigung ihrer Kirche und zur Kaffeetafel. Ab 17 Uhr bringt Organistin Melanie Noske-Herzog die Orgel zum Klingen. (Von Uwe Klemens)

Märkische Allgemeine vom 15. April 2010

   Zur Artikelübersicht