STADTKIRCHE: Dem Himmel etwas näher

Die neue Putlitzer Spitze steht bereits neben dem Turm / Bald wird sie im Stück hochgehoben

PUTLITZ - Wer an Türmen baut, sollte schwindelfrei sein. Wer aber an der Putlitzer Kirchturmspitze baut, sollte noch lieber sattelfest sein und Fragen beantworten können. Tagtäglich kommen dort bei den Handwerkern Einwohner vorbei und löchern sie, ohne dafür schreien zu müssen. Erst die Gerüstbauer aus Bad Wilsnack und dann die Zimmerleute der Parchimer Firma Rogmann arbeiteten schließlich auf Augenhöhe. Zu Füßen der Kirche haben sie die Holzkonstruktion für die neue Spitze jetzt fertiggestellt. Die Dachdecker um Fred Krüger aus dem Pirower Gemeindeteil Burow (Amt Putlitz-Berge) werden die Konstruktion in den nächsten Tagen mit Pappe ummanteln und mit Spitz-winkelschiefer verkleiden.

"Der Termin für das Turmfest ist locker zu schaffen", sagt Pfarrer Volkhart Spitzner. Er steht dort, wo er auch vor zwei Jahren schon stand und das Projekt nur als Idee im Kopf hatte. Dann stellt er sich unter die Spitze, berührt das Holz und sagt, dass er es selbst kaum glauben kann, schon so greifbar weit gekommen zu sein. "Manchmal müssen einfach nur zur richtigen Zeit die richtigen Leute am richtigen Ort sein, so ist es tatsächlich." Nicht sich selbst meint Spitzner damit. Vielmehr, dass sich Putlitzer für ein gemeinsames Projekt zusammenfanden, einen Förderverein gründeten und unermüdlich dafür wirken.

Zum Vorstand gehört Ingrid Klaß, sie geht sogar weiter: "Es war auch die Wiedervereinigung. Ohne die gäbe es nun im Oktober bestimmt keine Wiedereinweihung." Am 3. Oktober, dem 20. Jahrestag der Deutschen Einheit, soll die neue Spitze in Putlitz mit einem Bürgerfest gefeiert werden. 1988 war sie wegen Baufälligkeit erst abgetragen worden. Doch ohne 1990, sagt Klaß, hätten sich Alt- und Neuputlitzer wohl kaum zusammen engagieren können. Gisbert zu Putlitz etwa, ein als Professor in Heidelberg wirkender Nachfahre des alten Adelsgeschlechts der Gänsestadt, stellte aus seinem rund 450 Hektar großen Forstbetrieb das gesamte Rohholz für die Konstruktion zur Verfügung: Zwei Lkw-Ladungen Kiefern aus einem Wald bei Wolfshagen, insgesamt 33 Stämme, und eine Ladung Douglasien, insgesamt neun Stämme.

"Die Gauben werden noch gemacht, dort kommen wieder die Ziffernblätter der Turmuhr ran", erklärt Klaus Pirow, der Fördervereinsvorsitzende (siehe Infokasten). Bevor die Spitze dann in einem Stück auf den Stumpf gehoben wird, muss aber erst ein Schmied für die Turmzierde beauftragt werden. Diese soll in Details sogar an die Alte erinnern. (Von Matthias Anke)

Märkische Allgemeine vom 20. April 2010

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