Dorfjugend half beim Kirchaufbau

Manschnow (moz) In diesem Frühjahr jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 
65. Mal. Im Bombenhagel während der Schlacht um Küstrin, die Seelower Höhen und des Marsches auf Berlin wurden allein in der Seelower Region 
28 Kirchen zerstört. In loser Folge stellt das Oderland Echo Kirchengemeinden vor, die Notkirchen oder Ersatzbauten errichteten. Heute: Manschnow.

 
Kirchlein mit großem Ostgiebel: Beim Aufbau des kriegszerstörten Gotteshauses vor 50 Jahren hatten vor allem viele Jugendliche mitgeholfen.
Foto: Johann Müller

"Ich weiß noch, wie die Jungen oben standen und uns die Steine immer auf Brettern herunterrutschten. Wir waren viele junge Leute damals beim Aufbau der Kirche." Ursula Becker gehört mit Erna Müller und Elfriede Heinze im Altenkreis der Gemeinde zu den wenigen, die dabei waren, als die Manschnower Kirche aufgebaut wurde. Pfarrer Klaus Zebe hatte nach dem ersten, 1956 abgeschlossenen Bauabschnitt zum Aufbau eines, wenn auch kleineren Kirchenschiffs aufgerufen. "Immerhin gab es damals 
25 Konfirmanden. Wir brauchten ja auch dringend einen Raum", erinnert sich Erna Müller, die noch heute aktiv in der Kirchgemeinde arbeitet. Aus dem Chaos aus Ziegeln und Schutt hatten die Manschnower dank einer großen Spendenaktion und der Unterstützung des Gustav-Adolf-Werkes ihre Kirche wieder aufgebaut. "Jeder Zentimeter Schutt hat die Menschen daran erinnert, wie viel sie durch den Krieg verloren hatten", erinnerte sich Klaus Zebe anlässlich des 50. Kirchweihjubiläums 2008. Anders als in Nachbarorten, wo auch die vom Krieg übriggelassenen Umfassungsmauern geschliffen wurden, wollten die Manschnower wieder ihre eigene Kirche haben.

Im Altenkreis erinnern sich die Zeitzeuginnen noch sehr gut an die Zeit davor: Gottesdienste und Christenlehre fanden in der benachbarten alten Schule, dem heutigen Bürgerhaus statt. Eine Koexistenz von kirchlicher und staatlicher Einrichtung, die auch Konflikte barg, weiß Pastorin Anja Grätz aus den Erinnerungen Pastor Zebes. Denn mitunter hatte es der Pastor nicht einfach, vom Lehrer den Schlüssel zu bekommen. Für größere Feiern wie Taufen, Konfirmationen und Trauungen musste der Saal des Gasthofes "Zur Linde" herhalten. Damit war es am 9. November 1958 mit der Kirchweih vorbei. Im Gegensatz zur benachbarten Gorgaster Kirche, die ein Jahr später eingeweiht werden konnte, hatte es beim Wiederaufbau in Manschnow kaum Widerstand der staatlichen Organe gegeben. "Wir hatten die Genehmigung des Rates des Kreises und den starken Zusammenhalt im Dorf", erzählt Erna Müller. Der Aufbau war auch das gemeinsame Werk der Einwohner, die nach der Flucht vor Krieg und Hochwasser wieder heimgekehrt waren mit jenen, die ihre Heimat östlich der Oder verloren hatten und sich eine neue Existenz aufbauen mussten.

Der Zusammenhalt bewährte sich auch vor zwei Jahren, als es darum ging, die Kirche auf Vordermann zu bringen. Nicht nur Kirchenmitglieder, auch viele Firmen aus der Gemeinde hatten dazu beigetragen, dass die Renovierung zum vollen Erfolg wurde. Auch heute engagieren sich viele für das Gotteshaus. Das reicht von Gerhard Falk, der den Winterdienst absichert über Familie Schade, die u. a. für den Altarschmuck sorgt, Gloria Schade, die die Sauer-Orgel spielt, bis zu Claudia Dittner und Monika Bachmann, die das Haus in Ordnung halten.

Doch was nutzt eine schmucke Kirche, wenn sie leer bleibt. Deshalb wünschen sich die Mitglieder des Altenkreises: Die Kirche Manschnow sollte häufiger so gut gefüllt sein wie zum Weihnachtssingen oder beim Martinsfest. "Denn unsere Pfarrerin predigt sehr gut", wirbt Erna Müller.

Märkische Oderzeitung vom 24. April 2010

   Zur Artikelübersicht