BENEFIZ: Anonymus mit Flügeln

Die Kulturreihe zugunsten der Garzer Kirche startete in ihr sechstes Jahr

GARZ - Die Hände fehlen dem Taufengel in der Garzer Kirche und auch aus dem Gesicht sind Teile herausgebrochen. Das, was ein Engel aber wirklich braucht, ist ihm geblieben: die Flügel, sie sind beinahe unversehrt.

Nachdem seit 2004 die Kirche in Garz renoviert und 2006 auch der Fassadenanstrich erneuert wurde, hörten die Garzer nicht mehr auf, mit Benefizveranstaltungen für ihre Kirche zu sammeln. Die Wohltätigkeit geht nun in eine neue Runde: Am Sonnabend eröffneten "Blech in concert", das Bläserquintett der Neuruppiner Musikschule, die sechste Spielzeit von "Garz im Sommer". Der gesamte Erlös der Saison soll für die Sanierung des barocken Engels bestimmt sein.

Der ist so etwas wie der unbekannte Bekannte in Garz. Niemand weiß, wie alt er ist und seit wann er zum Kircheninventar gehört. Wer sich nach dem Himmelsboten erkundigt, der hört, wie die Garzer die Frage zum nächsten weitergeben wie beim Domino. "Weißt du was über den Barockengel?" Ein paar schütteln den Kopf, ein paar finden gar keine Antwort.

Am ehesten kann immer noch Martina Klingler Auskunft geben, die den Engel aus Lindenholz vor ein paar Jahren bei sich einquartierte. Im Kirchturm fand die Restauratorin das Wesen. Bauarbeiter hatten ihn einfach in eine Kiste gepackt. Klingler vermutet, dass der Engel Ende des 17. Jahrhunderts entstand. Eine detailgenaue Arbeit, "man muss sich nur das Gesicht ansehen". 2004, als sie den Altar konservierte, sollte die schwebende Plastik wieder angebracht werden allerdings waren sich auch da die Garzer nicht sicher. "Niemand wusste, wo der Engel früher hing", erzählt Martina Klingler. Sie entschieden sich für den Platz über dem Taufstein, rechts neben dem Altar.

Mehr Klarheit wird vielleicht die Sanierung des Engels bringen. 600 Euro sammelte das Team "Garz im Sommer" im vorigen Jahr. Rückenwind bekamen sie nun zum diesjährigen Auftakt: Das Quintett um Harald Bölk mit Theresa Uebach, Anne Leske, Johanna und Bernhard Döring blies zum Marsch durch die Musikgeschichte. Zwischen Händels perlendem "Einzug der Königin von Sabah", Saint-Saëns Elefant aus "Karneval der Tiere" und dem Lummerlandlied der Augsburger Puppenkiste verging eine kurzweilige Stunde, in der die Besucher gebannt horchten und nur das Garzer Kirchenmäuslein geschäftig unterwegs war.

Tosender Beifall, Blumen und 250 Euro waren der Lohn für die Spitzenleistung des Quintetts. Als Anerkennung der Musikschularbeit hatten die Garzer Veranstalter die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin um eine Spende gebeten.

Am Sonntag, 13. Juni, tanzen im Kirchgarten Kinder für Kinder. Das Ballett der Deutschen Oper Berlin bittet dann zur Tschaikowsky-Gala. (Von Juliane Felsch)

Märkische Allgemeine vom 26. April 2010

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