KIRCHEN: Schattenspiel in Himmelblau

Der Kanzelaltar in der Halenbecker Kirche wurde endlich fachgerecht saniert

HALENBECK - Die Kirchgänger in Halenbeck (Amt Meyenburg) können endlich aufatmen: Seit gestern erstrahlt der frühbarocke Kanzelaltar in der Dorfkirche in neuem Glanz. Nach etwa achtjähriger Vorbereitung konnte die geplante Sanierung endlich umgesetzt werden. Darüber freut sich nicht zuletzt Pfarrer Christian Ruch aus Freyenstein, der den fertigen Altar gestern abnahm.

Die Sanierung der kleinen Saalkirche in den Jahren von 1991 bis 1998 war ein Mammutprojekt. In diesen Jahren wurde der Fachwerkbau umfassend saniert bis auf den Fußboden und den Kanzelaltar. Und während der Innenraum des Gebäudes in gebrochenem Weiß und hellgrau abgesetzten Balken helle Freundlichkeit ausstrahlte, sorgte der hölzerne Altar für einen Bruch des Gesamteindruckes: Er war rostrot angestrichen.

Jetzt waren der Holzrestaurator Jens Zimmermann aus Heiligengrabe und der Potsdamer Diplomrestaurator Ulrich Kobelius eineinhalb Wochen lang fleißig in der Halenbecker Kirche. Bei der Vorgliederung konnten sich die beiden Fachmänner an einem alten Foto orientieren, das ihnen ein Halenbecker in die Hand gegeben hatte. "Es ist wohl von 1939 und zeigt den damaligen Pfarrer beim Gottesdienst", berichtet Ulrich Kobelius. Im Hintergrund ist deutlich der Altar zu sehen. Und zu beiden Seiten der Kanzel die Akanthus-Wangen, die Kobelius und Zimmermann jetzt andeutungsweise wieder hergestellt haben. Es sind Blattranken nachempfundene Ornamente, die im Frühbarock häufig Verwendung fanden. "Sie waren plastisch ausgearbeitet. Wir haben sie reduziert dargestellt", erklärt Jens Zimmermann. Denn die feinen Blütenranken wieder zu rekonstruieren, sei fast unmöglich. Ebenso die Streublümchen in den Kassetten, die bei genauem Hinschauen und dem entsprechenden Lichteinfall stellenweise zu erkennen sind. "Dafür war zu viel von der Grundfassung verloren", erklärt Kobelius.

Bei der Bemalung fiel ihnen unter anderem auf, dass das eingemalte Schattenspiel in den angedeuteten Kassetten wechselseitig ist. "Das haben wir auf dem Foto gesehen", sagt Ulrich Kobelius. Die Schatten deuten demnach optisch Erhebungen und Vertiefungen an.

Die Grundfarbtöne Himmelblau und Dunkelblau wurden laut Restaurator Kobelius bei der Freilegung gefunden. "Sie stammen von einer zweiten Reparaturfassung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts." Damals war der Altar repariert und Türkis übermalt worden. Daran orientierten sich die beiden Männer bei der jetzigen Farbgebung, die durchaus auch den Wünschen des Halenbecker Gemeindekirchenrates entspricht. Laut Pfarrer Ruch ist die Farbgebung auch im Sinne des Denkmalschutzes und des Landeskonservators.

Die rote Farbgebung stammt übrigens von einer Reparatur um 1950: "Damals ist wohl die ganze Kirche rot gestrichen worden", so Ruch. Zimmermann hatte an dem hölzernen Altar bereits 1997 die Holzrestaurierung vorgenommen, Profile ergänzt und lose Teile wieder befestigt. Jetzt haben die beiden Restauratoren darüber hinaus lose Teile wieder angebracht, die angedeuteten Akanthus-Wangen am Altar befestigt und den Handlauf an der Treppe ergänzt.

Die Kosten für die Sanierung des frühbarocken Kanzelaltars belaufen sich laut Pfarrer Ruch auf 8352,91 Euro. Kirchengemeinde und Landeskirche gaben je 2500 Euro dazu, 1000 Euro kamen von der Kommune und die Sparkassenstiftung steuert darüber hinaus 2353,91 Euro dazu. Im Juni soll die neu gestaltete Kanzel mit einem besonderen Gottesdienst in Gebrauch genommen werden, kündigte Ruch an. (Von Beate Vogel)

Märkische Allgemeine vom 30. April 2010

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