DENKMALSCHUTZ: Hilferuf an die Kommune

Kirche und Rosenau bereden Sanierung des Gollwitzer Gotteshauses

ROSENAU - Gollwitz: kleinster Ort in der Gemeinde Rosenau, nicht mal 100 Einwohner, kein Laden, keine Kneipe. Einziger öffentlicher Raum ist die Kirche. Doch an dem in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichteten Gotteshaus nagt der Zahn der Zeit.

Pfarrer Siegfried Lück schildert die Lage: "Der hölzerne Dachturm weist erhebliche Schäden auf. Auch im Innern besteht dringender Sanierungsbedarf." Das Architekturbüro Fleege + Oeser schätzt die Kosten auf rund 280 000 Euro. So viel Geld können weder das Evangelische Kirchspiel Wusterwitz-Bensdorf noch der Kirchenkreis Elbe-Fläming aufbringen. Deshalb hat Pfarrer Lück die Kommune um Hilfe gebeten.

Auf der Grundlage einer Nutzungskonzeption könnte sich die Gemeinde Rosenau vor den Karren spannen und einen Fördermittelantrag stellen. Auch die Eigenmittel (zirka 80 000 Euro) müssten aus dem kommunalen Haushalt kommen. Dafür kann die Kirche für kulturelle, touristische und andere gemeindliche Zwecke genutzt werden.

Die Reaktionen der Gemeindevertreter sind überwiegend positiv. "Wir sollten die Idee aufgreifen. Das gibt es woanders ja auch schon", meinte Bernhard Kahle (Zitz). Christoph König (Rogäsen) meinte: "Im Angesicht der Rogäsener Ruine kann ich mir nur wünschen, dass es in Gollwitz nicht so weit kommt." Auch im Interesse der touristischen Entwicklung sprach sich Bürgermeister Rolf Geelhaar (Warchau) für ein kommunales Engagement aus. Ewald Matthies (Zitz) bedauerte, dass es eine ähnliche Initiative nicht für die Zitzer Kirche gebe. Da sei er eben Lokalpatriot, so Matthies. Er enthielt sich der Stimme, als die Gemeindevertretung vergangene Woche die Bildung einer Arbeitsgruppe beschloss. Das Gremium soll mit dem Kirchenvorstand Details einer Nutzungsvereinbarung aushandeln.

Zum Knackpunkt könnte ein Wunsch werden, auf den Amtsdirektorin Gudrun Liebener Wert legt die Nutzung der Kirche für weltliche Trauerfeiern. Auf dem Gollwitzer Friedhof gibt es nur eine kleine Leichenhalle, in der Trauergemeinden keinen Platz haben. Doch Pfarrer Lück befürchtet "massive Bedenken" der Landeskirche. Offiziell gelten nichtkirchliche Trauerfeiern für die Kirchenleitungen als "unvereinbar" mit dem Charakter und der Widmung gottesdienstlicher Räume. So steht es in der "Orientierungshilfe zur Nutzung von Kirchen für nichtkirchliche Veranstaltungen".

Ob ein Kompromiss denkbar ist, vermochte gestern die Burger Superintendentin Ute Mertens gegenüber dem Landkurier nicht sagen. Sie sieht in der Sache im Kirchenkreis als auch in ihrer Landeskirche großen Diskussionsbedarf, um zu einheitlichen Regeln zu kommen. In der Praxis würden in einigen Kirchen weltliche Trauerfeiern geduldet, in anderen nicht.

Amtsdirektorin Liebener denkt eher an im Regen stehende Angehörige. "Wir leben im 21. Jahrhundert." Wenn die Gemeinde schon Geld für die Kirchensanierung beschafft, will sich Rosenau wenigstens die Kosten für eine Trauerhalle ersparen. (Von Frank Bürstenbinder)

Gutes Zeichen

Frank Bürstenbinder über die Bereitschaft Rosenaus zur Rettung der Gollwitzer Kirche

Kirchen können zur Last werden. Immer noch gibt es Gotteshäuser mit gefährlichem Sanierungsstau. Gollwitz gehört dazu. Wenn sich Kommune und Kirchspiel auf einen gemeinsamen Weg machen, um das Denkmal Kirche vor dem weiteren Verfall zu retten, ist das ein gutes Zeichen. Niemand kann und will sich Gollwitz ohne seine Dorfkirche vorstellen. Sie steht da schon seit über 700 Jahren. Es wird Aufgabe der Rosenauer Arbeitsgruppe sein, an den Feinheiten eines Nutzungskonzeptes zu feilen. Inwieweit die Amtskirche zu Zugeständnissen bei weltlichen Trauerfeiern bereit ist, muss sich erst noch zeigen. So verständlich der Wunsch ist, so sehr kollidiert er mit dem christlichen Grundverständnis über die Widmung gottesdienstlicher Räume. Falls die Frage nach Trauerfeiern am Ende unbeantwortet bleibt, muss ein finanzielles Engagement der Kommune daran nicht scheitern. Konzerte und Lesungen, touristische Führungen und offene Türen locken Besucher an, die sonst nie den Weg nach Gollwitz finden würden. Natürlich kann Rosenau nicht über seinen Schatten springen. Sollte es bei 80 000 Euro Eigenanteil bleiben, wird das in Haushaltsdebatten noch einige Fragen aufwerfen. Auch Straßen, Gehwege und Trauerhallen können eine Last sein.

Märkische Allgemeine vom 11. Mai 2010

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