Rettung vor dem Zerfall

Neulietzegöricke (moz) Der Startschuss für die Sanierung der Kirche in Neulietzegöricke ist gefallen. Das Baugerüst steht bereits, sodass nun die Handwerker mit ihren Arbeiten beginnen können. Dabei müssen sie besonders vorsichtig vorgehen, damit die Kirchenschiffausmalung aus dem Jahr 1840 erhalten bleibt.

 
Erste Absprachen: Architekt Rüdiger Liedtke (l.) und Mario Korbik, Bauleiter von Lindemann Gerüstbau Eberswalde, diskutieren vor der Kirche in Neulietzegöricke, wie die Sanierung vonstattengehen soll.
© MOZ/Franziska Pröber

"Noch ein paar Monate länger und wir hätten bei dem Zerfall unserer Kirche zugucken können", sagt Gisela Sommer, die Vorsitzende der Kirchengemeinde in Neulietzegöricke. Die Decke ist übersät mit Wasserflecken, es tropft. Der Fußboden ist so uneben, dass kein Tisch ohne einen Stein unter eines der Beine stehen kann. Und der Putz an den Außenwänden des Gebäudes ist so gut wie nicht vorhanden. "Wir sind so glücklich, dass es endlich losgeht." Gisela Sommer hat zusammen mit Mitgliedern der Gemeinde extra Leberwurststullen für das erste gemeinsame Treffen der Handwerker geschmiert.

Rüdiger Liedtke vom Architektenbüro Krekeler trifft mit dem Gerüstebauer, Dachdecker, Stuckarbeiter, Maurer sowie weiteren Unternehmern und Gemeindevertretern die ersten Absprachen. Zuerst soll der Außenbereich der Kirche restauriert werden, später kommen dann die Feinheiten, wie etwa Tischlerarbeiten im Innenbereich, an die Reihe. Ende des nächsten Jahres soll alles abgeschlossen sein.

Bei allen Arbeiten muss besondere Vorsicht walten, damit die denkmalgeschützte Kirche, eine der ältesten im Oderbruch aus der Kolonistenzeit, nicht beschädigt wird. Die Malereien im Inneren des Kirchenschiffs stammen aus dem Gründungsjahr des Gotteshauses 1840. Ebenfalls wird überlegt, einen von einer Granate aus dem Zweiten Weltkrieg beschädigten Balken so zu erhalten, dass das herausgebrochene Stück weiter sichtbar bleibt. "Das ist ein historisches Dokument", sagt Gisela Sommer. Doch zunächst müsse geklärt werden, ob der Balken dann weiter tragfähig bleibt. Denn große Teile des in die Kirche eingearbeiteten Holzes muss kontrolliert und teilweise ausgetauscht werden. Außerdem muss die Gemeinde ab Mitte Juni umziehen. Da die Kirche zu dem Zeitpunkt nicht mehr nutzbar sein wird, findet der Gottesdienst übergangsweise im Gemeinderaum im Pfarrhaus statt.

Die Gesamtkosten für die aufwendigen Sanierungsarbeiten in Höhe von etwa 500 000 Euro übernimmt zu über 60 Prozent die "Integrierte ländliche Entwicklung" (ILE). Die restlichen Gelder muss die Gemeinde selbst aufbringen. "Einen großen Teil haben wir bereits zusammen", sagt Gisela Sommer. Sie sei dankbar für die Unterstützung der Menschen aus der Region. Durch Spenden und Kollekten bei Festivitäten sei viel zusammengekommen. Zudem habe sich der Kirchenkreis bereit 
erklärt, bei Bedarf auszuhelfen.

Märkische Oderzeitung vom 21. Mai 2010

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