BAUEN: Schreck in luftiger Höhe

Große Schäden an Bad Belziger Marienkirche entdeckt / Zeitplan und Budget der Sanierung gefährdet

BAD BELZIG - "Das Ergebnis ist erschreckend, umso höher man steigt, umso schlimmer wird es", berichtet Pfarrer Helmut Kautz von seinem jüngsten Ausflug auf den Bad Belziger Kirchturm. "Es ist ein echtes Wunder, dass noch kein Mensch durch herunterfallende Putzteile zu Schaden gekommen ist", sagt der Brücker Geistliche. Er ist wegen der nach wie vor unbesetzten Pfarrstelle in Bad Belzig jetzt der zuständige Bauherr für die Sanierung von Sankt Marien. Und hat alle Hände voll zu tun. Grund für die bröckelnde Fassade ist der zu DDR-Zeiten fälschlicherweise verwendete Zementmörtel, um die Fugen abzudichten. Der verbindet sich nämlich nicht mit dem Mauerwerk. Das Wetter wird zum Sprengmeister.

Experten sprechen von Schalenbildung. "Der Mörtel ist für den Naturstein ungeeignet, weil er zu hart ist, Wasser dringt in die Fugen und der Frost bricht den Mörtel raus", erklärt Bauingenieur Andreas Nisse vom Planungsbüro IBS in Hoppegarten (Märkisch-Oderland). "Wir hätten auch nicht gedacht, dass es so schlimm ist."

Für Nisse und die Bauleute bedeutet das nun akribische Kleinstarbeit. "Wir müssen alle Fugen zu fast 100 Prozent neu machen", kündigt der Ingenieur an. Das betreffe die gesamte Kirche und den Turm. Wenn die Meißel im Einsatz waren, kommt neuer Mörtel zwischen die Steine. "Dabei wird eine weiche Kalkmischung verwendet, die sich mit den Steinen verbindet und abschließt", erklärt der Bauleiter. Das sehe auch der Denkmalschutz so vor.

Der Zeitplan und das Budget für die Sanierung der Kirche sind nun arg in Bedrängnis geraten. "Die Baubegleiter spitzen die Bleistifte, um neu die Kosten zu berechnen", sagt Helmut Kautz. Wie viel mehr die neuen Fugen kosten werden, vermag er momentan noch nicht zu sagen. "Ein weiterer Punkt ist nämlich die Auswechslung von modernen, aber schon wieder verwitterten Steinen am Turm", sagt der Pfarrer.

Rund 16 Wochen hat Andreas Nisse jetzt für die Arbeiten an der Fassade vorgesehen. Wichtig dabei sei, dass immer derselbe Bautrupp zum Einsatz komme. "Gerade bei Fugen ist eine gleichmäßige Handschrift nötig", erklärt der Ingenieur. "Unregelmäßigkeiten sind auf solch einer großen Fläche selbst von unten deutlich zu sehen." Im kommenden Sommer, so Nisse, würden dann die Dacharbeiten beginnen.

Fortschritte machen derweil die Glaser. Sie haben bereits eines der sechs Fenster komplett erneuert und über der Brautpforte eingebaut. "Das ist ein Lichtblick im wahrsten Sinne des Wortes", sagt Pfarrer Helmut Kautz.

Über solche Momente wird er sich nun öfter freuen können, denn der Berliner Glasermeister Andreas Walter geht davon aus, dass er jetzt jeden Monat mindestens eins der Fenster restauriert. Dabei verwendet er die alten Gläser und baut einen neuen Bleirahmen herum. "In einem Vierteljahr sind wir damit fertig", sagt der Handwerker. (Von Hermann M. Schröder)

Die Sanierung

Insgesamt stehen für die Sanierung des Bad Belziger Gotteshauses bis Ende 2012 rund 450 000 Euro zur Verfügung. Dazu gehören Arbeiten an der Fassade, die Neueindeckung des Daches sowie Arbeiten im Inneren.

Die Kirche steuert 60 Prozent bei, den Rest tragen die Stadt Bad Belzig, das Land und der Bund.

Märkische Allgemeine vom 22. Mai 2010

   Zur Artikelübersicht