Die "Mädels" machen Notkirche lebendig

Buschdorf (moz) In diesem Frühjahr jährte sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 
65. Mal. Im Bombenhagel während der Schlacht um Küstrin, die Seelower Höhen und des Marsches auf Berlin wurden allein in der Seelower Region 
28 Kirchen zerstört. In loser Folge stellt das Oderland Echo Kirchengemeinden vor, die Notkirchen oder Ersatzbauten errichteten. Heute: Buschdorf

 
Sie kümmern sich ums Buschdorfer Kirchlein: Monika Bachmann, Claudia Dittner und Gudrun Pehle (v.l.). Die 1958 errichtete Notkirche ist vor drei Jahren renoviert worden.
© michael märker

"Meine Erinnerungen an unsere Kirche gebe ich auch nicht her!" Helmut Kätel hat in der 1860er Jahren erbauten Buschdorfer Kirche "alles" erlebt, wie er heute sagt. Taufe, Konfirmation und Hochzeit. Warum dieses Gebäude im neugotische Stil so eine eigenwillige Form hatte, weiß er aber ebensowenig wie Erika Kühnemann, die dort getauft und konfirmier worden war. Von Verwandten, die vor dem Krieg Kunst und Architektur studiert hatten, weiß Kätel, dass es damals von dieser Art nur sechs Kirchen in ganz Deutschland gegeben hatte.

Mit großem Respekt spricht Helmut Kätel von den Frauen, die die 1958 erbaute Behelfskirche vor drei Jahren renoviert hatten und die sich heute liebevoll um das Kirchlein kümmern: Monika Bachmann und Claudia Dittner. Die Buschdorfer nennen die beiden hochachtungsvoll "unsere Mädels". Die beiden wohnen seit November 2004 in genau jenem Baiersberger Häuschen, in dem der letzte Buschdorfer Küster Otto Kloninger gewohnt hat. An den erinnern sich noch einige Buschdorfer. "Der war sehr lange hier im Amt, hat sich um die Schule und das Kirchlein gekümmert, war auch Nachtwächter und hat mit der Glocke die Dorfnachrichten verkündet", weiß Erika Kühnemann.

Erinnerungen gibt es auch an den Bau der Kirche vor mehr als 50 Jahren. Weil man in der zerstörten Kirche keinen Gottesdienst abhalten konnte, fanden Gottesdienste stets in der Schule statt. Der Andrang soll so groß gewesen sein, dass die Straße "Schwarz von Menschen war", weiß Gudrun Pehle noch vom Hörensagen. Das Kirchlein hatte die Kirchgemeinde, Buschdorf gehörte zum Pfarramt Zechin, vom Sägewerk Siewert errichten lassen, bei dem viele Buschdorfer beschäftigt waren. "Ich weiß wenig vom Bau des Kirchleins", so Helmut Kätel. "Wir hatte eine private Wirtschaft und zu jener Zeit viel zu arbeiten." Vom Sägewerk weiß er, dass es Anfang der 30er Jahre erbaut worden war und noch bis in die 70er Jahre, dann von der LPG, betrieben wurde. Erika Kühnemann kann sich erinnern, dass sich die Kirchgemeinde Zechin sehr für die Bau der Notkirche und den Glockenstuhl eingesetzt hatte.

Märkische Oderzeitung vom 22. Mai 2010

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