DENKMAL: Verborgenes wiederbelebt

Endspurt bei Sanierung der Brücker Lambertuskirche

BRÜCK - Die Zeit rennt. Bis zum 20. Juni soll die Lambertuskirche in Brück auch im Inneren in völlig neuem Glanz erstrahlen. Als Krönung der dann komplett abgeschlossenen Sanierung des Gotteshauses wird auch die viel zu lange verborgene Farbigkeit des Altars neu erstrahlen.

Dafür arbeiten derzeit bis zu fünf Restauratorinnen gleichzeitig viele Stunden am Tag und mitunter sechs Tage die Woche an Säulen, Figuren und Kapitellen. Schicht für Schicht tragen sie in akribischer Kleinarbeit Millimeter um Millimeter alte Farbschichten ab. In nüchternem Grau sowie mit weißer Ölfarbe waren bei früheren Malerarbeiten auch filigrane Verzierungen des barocken Kanzelaltars "totgestrichen worden", wie Restauratorin Christiane Thiel erzählt.

Weichen werden sie nun unter anderem einer sogenannten Polimentvergoldung, die freigelegt und restauriert wird. Sie verleiht dem 1773 in Niemegk gebauten Altar zusammen mit der am Original orientierten Farbgebung ein völlig neues Erscheinungsbild.

Der Gestaltung für die gesamte Kirche vorausgegangen war eine akribische Analyse früherer Putz- und Farbschichten an den Wänden, Holzeinbauten und Möbeln. "In der Sakristei haben die Experten 13 Schichten gefunden", erzählt Pfarrer Helmut Kautz. Auf den Kirchenbänken traten drei Lagen hervor, die älteste aus der Zeit um 1776. Damals war die Kirche nach dem verheerenden Stadtbrand vom 8. August 1764 wieder neu aufgebaut worden. Daher entschieden sich die Restauratoren dafür, die Gestaltung auf diese "Zeit des Barock zurückzusanieren", wie es der Pfarrer nennt. "Für einen Zeitpunkt mussten wir uns ja entscheiden."

Daraus hat Kautz sogleich das Motto "Lebenslust in barocker Luft" für die neue Nutzung der Kirche abgeleitet. Vorgesehen ist es, das Gotteshaus als vielseitigen Veranstaltungsort zu nutzen, an dem sich die Kirchengemeinde und Bürger der Stadt begegnen können. Moderne Beleuchtungstechnik, Musikanlage, Computer und Projektionsmöglichkeiten rund um eine flexible Veranstaltungsfläche sind vorgesehen "für eine neue Nutzung mit Respekt vor dem Alten", so Kautz. Ein Teil der starren Kirchenbänke ist flexiblen Einzelstühlen gewichen.

Die Denkmalpfleger haben mit alldem kein Problem, versichert der Pfarrer. "Der Bruch zwischen Historie und Moderne muss nur deutlich sichtbar sein", so der Geistliche. Er möchte in der Kirche während der Weltmeisterschaft auch "einen fröhlichen Fußballabend" organisieren. Ein Raum der Stille, ein Zimmer für die Christenlehre sowie eine Gedenkstätte und die bereits eröffnete Heimatstube runden das Konzept zur künftigen Nutzung der Lambertuskirche ab.

In die Sanierung des Innenraumes fließen derzeit rund 240 000 Euro aus verschiedenen Quellen und Spenden. Allein für den Altar als neues Prunkstück der Kirche werden 35 000 Euro benötigt. (Von Thomas Wachs)

Märkische Allgemeine vom 26. Mai 2010

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