Der Groß Breesener Taufengel schwebt wieder

Groß Breesen Die Stadtwanderung mit dem Gubener Stadtwächter Andreas Peter am 30. Mai dient außer dem Kennenlernen der Heimat einem guten Zweck: Das "Fersengeld" soll für die weitere Restaurierung des Taufengels in der Groß Breesener Kirche gespendet werden.

 

Der mehr als 300 Jahre alte Taufengel in der Groß Bresener Kirche hat am Donnerstagabend wieder seinen ursprünglichen Platz im Gotteshaus im Gubener Ortsteil erhalten. Am Sonnabend schwebte er bereits über einem Hochzeitspaar, am Pfingstsonntag, wie vor mehr als einem Jahr geplant, über Taufkindern.

In der Zwischenzeit hatte der Engel, dessen Befestigungsseil am 2. August 1733 gerissen war und der danach -zig Jahre auf Dachböden verbringen musste, jede Menge Prozeduren über sich ergehen lassen müssen. »Zunächst«, so sagt Matthias Bärmann, Vorsitzender des Kirchenrates der evangelischen Kirchengemeinde Region Guben, »musste er gründlich gereinigt und entgiftet werden. Als er im Januar in die Werkstatt der Breslacker Diplomrestauratorin Dorothee Schmidt-Breitung kam, stellte sich heraus,

dass er stark vom Holzschutzmittel Hylotox, das zu DDR-Zeiten verwendet wurde, durchsetzt war. Um danach Arme und Flügel wieder zu komplettieren und die Füße zu ersetzen, wurde der Engel zu einem Berliner Bildhauer gebracht. »Erst am Donnerstagabend haben wir ihn dort wieder abgeholt«, sagt Bärmann.

Doch ebenso wie die Dekonterminierung sei erst im Lauf der Zeit klar geworden, dass der Engel nicht nur eine Nachbildung der hölzernen Taufschale braucht, sondern für das Taufwasser eine aus Metall. Wegen der erforderlichen Genauigkeit müsse diese Schale angefertigt werden. Und auch ein Spruchband, das der Engel in der linken Hand trug, wird noch angefertigt.

Mit rund 15 000 Euro hatte das Landesamt für Denkmalschutz die Restaurierung des barocken Groß Breesener Taufengels, einem von acht im Spree-Neiße-Kreis, in die Liste der schützenswerten Kirchengüter aufgenommen. Bärman schätzt, dass es aufgrund der zusätzlichen Arbeiten etwa 3000 Euro mehr werden. Diese Summe aufzubringen, will Andreas Peter mit der Spende des »Fersengeldes« von je drei Euro für die Stadtführung am Sonntag beitragen. Sie beginnt um 10 Uhr am Stadtwächterstübchen und führt zu den Resten des Bismarckturmes in den Gubiner Bergen.

Von Barbara Remus

Lausitzer Rundschau vom 27. Mai 2010

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