DENKMAL: Seltene Höllenszene entdeckt

Sanierung der Lübnitzer Kirche brachte einige Überraschungen ans Licht

LÜBNITZ - Damit hatten Petra Drott-Durchholz und Udo Drott nicht gerechnet. Bei der Sanierung der Lübnitzer Dorfkirche entdeckten die beiden Restauratoren eine Wandmalerei, die eine Höllenszene darstellt. Nun sind sie dabei, das Werk komplett freizulegen und wiederherzustellen.

"Bei dem Bild handelt es sich um eine figürliche Malerei aus der Barockzeit, also aus dem 17. Jahrhundert", sagt Udo Drott. "Szenen des Jüngsten Gerichts und der Hölle waren ein im Mittelalter verbreitetes Bildmotiv. In der Zeit nach der Reformation wurden solche Motive normalerweise nicht mehr an Kirchenwände gemalt." Warum diese Szene in der Lübnitzer Kirche erst viel später an die Wand der Apsis kam, kann der Restaurator bislang nicht erklären.

Dass es sich um eine Szene aus der Hölle handelt, ist eindeutig zu erkennen, selbst wenn viele Details des Gemäldes bisher nur zu erahnen sind. Wenn Udo Drott und seine Frau mit der Restaurierung der Kirche fertig sind, soll auch das Bild wieder in seiner ursprünglichen Form erkennbar sein. "Aber alle Details bekommen wir nicht mehr hin", dämpft der Fachmann die Erwartungen. "Es gibt einige große weiße Stellen, die irreparabel sind. Die werden wir nicht rekonstruieren", so Drott. Kleinere Stellen können wir retuschieren, wenn wir genau wissen, was dort fehlt." Warum die Höllenszene an die Wand der Apsis kam, ist für den Restaurator ein Rätsel. "Das müssen Kunsthistoriker klären", sagt er.

Schon während der in den vergangenen Monaten erfolgten Sanierungsarbeiten wurde klar, dass die Lübnitzer Kirche unter den Gotteshäusern im Fläming eine ganz besondere Stellung einnimmt. So ließen die Mitglieder des Freundeskreises der Kirche das Alter eines wiederentdeckten Fensters datieren. "Dabei stellte sich heraus, dass die Kirche bereits Anfang des 13. Jahrhunderts existierte", sagt Lydia Junghanß von der Bad Belziger St.-Marien-Gemeinde. "Das Fälldatum des Holzes für das Fenster wurde sogar ziemlich genau auf das Jahr 1208, plus oder minus zehn Jahre bestimmt. Das ist sehr früh für eine Feldkirche in unserer Region."

Und auch sonst gibt die Kirche fast jeden Tag einige Details und Rätsel aus ihrer Vergangenheit preis. So fand Udo Drott unlängst das Bild eines Engels in der Nähe einer Grotesken-Maske. "Auch das ist äußerst ungewöhnlich", stellt der Belziger fest. Die Öffnung eines Nebenraumes war ebenfalls eine kleine Sensation. Auf den ungefähr sechs Quadratmetern des ehemals als Sakristei genutzten und jahrelang unzugänglichen Anbaus wollen die Mitglieder des Freundeskreises ein Mini-Museum einrichten.

Einen Großteil des für die Sanierung benötigten Geldes brachten private Spender auf. Aber auch regionale Unternehmen wie die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam (MBS) gaben etwas dazu. "In der Lübnitzer Kirche kann man die Geschichte des Flämings fast atmen", sagt Christian Ebert, Marktdirektor der MBS in Bad Belzig. "Es ist schön, dass sich so viele Menschen für den Erhalt dieses einmaligen Gotteshauses engagieren."

Die Entdeckung des Gemäldes verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den zahlreichen Helfern und Freunden der Kirche in Lübnitz. Jetzt sind alle sehr neugierig darauf, wie das Gemälde in der Apsis saniert aussehen wird.

Spätestens Anfang September wollen Udo Drott und seine Frau Petra Drott-Durchholz mit der Restaurierung der Kirche fertig sein. Denn am 26. September zum Ernte- und Festgottesdienst sollen dann alle Besucher die Gelegenheit haben, einen Blick auf die Höllenszene in der Apsis, den Engel mit der Maske und die anderen Rätsel des ehrwürdigen Hauses zu werfen.

Ernte- und Festgottesdienst in der sanierten Kirche zu Lübnitz, 26. September, 10 Uhr. (Von Stefan Specht)

Märkische Allgemeine vom 29. Mai 2010

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