EREIGNIS: Immer wieder Wunder

Orgel in Satzkorn nach Sanierung feierlich eingeweiht

POTSDAM / SATZKORN - Wenn der letzte Glockenton verhallt, erhebt am Anfang des Gottesdienstes meist die Orgel ihre Stimme. Gestern war von der "Königin der Instrumente" jedoch nichts zu hören. Es kommt ja auch nicht alle Tage vor, dass eine sanierte Orgel eingeweiht werden kann. Und so mussten sich alle, die zum feierlichen Gottesdienst in die kleine Kirche im alten Kern von Satzkorn gekommen waren, etwas gedulden. Der Höhepunkt, erstmals nach vielen Jahren dem vollen Klang aller Register lauschen zu würden, hätte ja zu Beginn leicht deplatziert gewirkt.

Doch dann, als der Choral zu "Allein Gott in der Höh sei Ehr" von der Empore hinter ihnen erklang, wandten sich die Menschen in der Kirche nach oben um. Die Kleinsten staunten mit großen Augen, die Alteingesessenen schauten zufrieden. Das Gotteshaus war dabei bis auf den letzten Platz besetzt selbst, nachdem noch Stühle gebracht worden waren, standen einige, um das Ereignis nicht zu verpassen.

Es ist nicht ganz klar, wie lange die Gesell-Orgel mit nur zwei Registern auskommen musste, wahrscheinlich einige Jahrzehnte. Pfarrer Jens Greulich fand in seiner Predigt ungewöhnliche Worte, die oft genug mit dem beabsichtigten Schmunzeln aufgenommen wurden, für das Ende des langen Wartens. "Wunder gibt es immer. Das wissen wir nicht erst seit dem Eurovision Song Contest von 1970", sprach Greulich von der Kanzel. Damals hatte Katja Ebstein den gleichnamigen Titel gesungen. "Wunder geschehen auch hier vor unseren Augen", fuhr der Pfarrer fort. Die erneuerte Orgel sei wichtig, denn Musik würde den Menschen das Herz aufgehen lassen, sie direkt berühren. "Und wenn sie dann noch mit einer gewissen Unbedarftheit, wie gestern in Oslo, vorgetragen wird, kann sie sich wohltuend hervorheben aus dem professionellen Showgeschäft", schloss Greulich den Bogen wieder.

In Zukunft sollen häufiger Konzerte in Satzkorn stattfinden, wo man jetzt eine Orgel sein Eigen nennt, die man dem Künstler dann auch wirklich anbieten kann. Kirchenmusiker Harald Dubrowsky, der den Feiergottesdienst bestritt, kann sich noch mit Grausen an die Zeit vor der Sanierung erinnern. "Mit den beiden Registern aus Zinnpfeifen gab es keinen Klang, keine Varianz", sagte er. Wie ein Orgelexperte spitzzüngig formulierte, sei Zinn "ein ganz hervorragendes Material für Dachrinnen." Am Donnerstag hatte Dubrowsky erstmals geprobt. Doch auch jetzt kennt er noch nicht den vollen Klang: Dazu müsste er einem anderen Musiker erst aus dem Altarraum zuhören. (Von Sebastian Scholze)

Märkische Allgemeine vom 31. Mai 2010

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