RESTAURIERUNG: Gotteshaus schwebt über dem Boden

Die Schwellen der Kirche in Grube werden ausgetauscht

GRUBE - Die kleinen freigekratzten Vierecke im weißen Putz wecken die Neugierde. Sie sind so etwas wie Fenster in eine vergangene Zeit. Als diese Farbschicht auf die Innenwände aufgetragen wurde, war möglicherweise die Patronatsloge gerade erst gebaut worden. "Die Empore wurde Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet", sagt Restaurator André Streich. Der Potsdamer begleitet die Instandsetzung des Gotteshauses von Grube (Stadt Bad Wilsnack). Die Malereien seien indes wohl einen kleinen Tick jünger, sagt Streich. An der Empore befinden sich mehrere Wappen der Familie von Quitzow sowie die Jahreszahlen 1733 und 1747. Grube war vor 1376 bis nach 1817 im Besitz der Adelsfamilie Quitzow.

Das Gotteshaus ist die zweitälteste Fachwerkkirche der Prignitz. Das Gebäude wurde im Jahre 1577 errichtet. In der unter Denkmalschutz stehenden Kirche befindet sich ein gotischer Flügelaltar aus dem Mittelalter.

An der Empore legte André Streich Farbmuster frei, die Marmor imitieren. Dies untermauerte den repräsentativen Charakter der Loge, die der Patron von außen über einen eigenen Aufgang erreichte. Für den Restaurator ist die Empore "ein gewisser Kontrapunkt" zu dem ansonsten farblich eher schlicht gehalten Innenraum.

Ganz früh sei das Fachwerk der Kirche innen und außen schwarz gestrichen gewesen, stellt Streich fest. Später folgten ein Grau-Braun, Weiß und ein Braun. Die Gefache, die innen einen schwarzen Rahmen hatten, dürften weiß oder in einem Weißton gehalten gewesen sein. Die Farbgebung sei eine typische Renaissancegestaltung, sagt der Fachmann.

Mit der Sanierung der zuletzt notgesicherten Kirche ist Pfingsten begonnen worden. Junge Leute aus dem Dorf deckten das kaputte Dach ab und befestigten eine Plane als provisorischen Witterungsschutz. Nachdem das Gebäude so von 25 bis 30 Tonnen Last befreit wurde, konnten unten die verfaulten Eichenschwellen und die darüber liegenden Gefache leichter herausgenommen werden. Durch die angebrachten provisorischen Stützen scheint es, als würde das Gebäude schweben. Ab Montag sollen die ersten der dicken Holzbalken ersetzt werden.

Im Rahmen der Sanierung wurde die zugenagelte Tür des Kirchenanbaus entfernt, in dem sich die Treppe zur leeren Empore befindet. Der oben zugemauerte Eingang wird ebenfalls geöffnet, damit der Raum wieder genutzt werden kann. "Vielleicht können wir darin mit Kindern musizieren", sagt die Kirchenälteste Annette Schulze. (Von Axel Knopf)

Erst die Schwellen, dann das Dach

Das Ziel der Gruber ist, die Sanierung der Kirche bis zum Erntefest abzuschließen. Die Instandsetzung wird 180 000 Euro kosten. Nur dank Fördermitteln des Vereins Alte Kirchen, der Jugend- und Kulturstiftung der Sparkasse, der Denkmalpflege des Kreises Prignitz, des Kirchenkreises Pritzwalk-Havelberg und Geld aus dem Staatskirchenvertrag kann das Vorhaben finanziert werden. Zehn Prozent von der Gesamtsumme bringt die Kirchengemeinde selbst auf.

Die Eindeckung des Dachs erfolgt, wenn die Schwellen erneuert sind und außen die Rüstung wieder aufgestellt werden kann.

Die herausgenommenen Bleiglasfenster werden von Fachleuten aufgearbeitet. Axe

Märkische Allgemeine vom 12. Juni 2010

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