Mitten im Dorf, mitten im Leben

 
 
 
© Thomas Berger

Sternebeck (moz) Wenn diese Mauern reden könnten, dann würden sie erzählen von menschlichen Stärken und Schwächen, sagte Pfarrer Christian Kohler im Festgottesdienst. Erzählen auch von Trost und Hilfe im Glauben, "von seiner Sehnsucht und Erdverbundenheit, von gelebtem Gottvertrauen". Ein Stück Heimat sei dieser Bau, dessen 300-jähriges Bestehen seit der Wiedereinweihung 1710 am Wochenende in Sternebeck groß gefeiert wurde, örtliche wie geistige Heimat: "Aus gutem Grund steht die Kirche mitten im Dorf, mitten im Leben."

Worte der Nachdenklichkeit, der Dankbarkeit und der Kontinuität über alle Zeiten hinweg zum Auftakt der Jubiläumsfeier. Vier Orgelpfeifen hatte der Pfarrer zu diesem speziellen Anlass mitgebracht. "Nein, nicht von der da oben", deutete er schmunzelnd auf das Sternebecker Instrument, vielmehr damalige Überbleibsel von der Lüdersdorfer Sanierung vor etlichen Jahren. Jetzt waren sie ein besonderes Dankeszeichen an einige, ohne die auch das Fest nicht in dieser Form zustande gekommen wäre: Die Brüder Dieter und Bernfried Juritz, das Ehepaar Eckardt sowie Hildegard Gerhardt, die so etwas wie die Seele der Kirchengemeinde sei.

Nicht nur der kleine Bläserchor hatte schon das Singen im Gottesdienst unterstützt. Auch Anett Hirseland setzte mit ihrem "Ave Maria" einen besonderen Akzent, verzauberte mit ihrer Stimme und zeigte dabei die ausgezeichnete Akustik der Jubiläumskirche auf, die auch später noch beim Chorkonzert der Halenseer Notenspringer zum Ausdruck kam. Die muntere Truppe aus Berlin erwies sich wieder einmal als mitreißendes Ensemble, das nicht nur auf stilles Zuhören, sondern hier und da aktives Mittun setzte.

Zuvor hatte aber noch Hans Jobst Liebich das Wort. Nicht nur die Sternebecker selbst, sondern auch Ehrengäste vom Bundestagsabgeordneten Hans-Georg von der Marwitz und Landtagsabgeordneter Beate Blechinger über die kommunalen Spitzenvertreter bis zur Familie Christian von Eckardstein lauschten voller Interesse den Ausführungen des Ortschronisten zu den Geschehnissen der Zeit um 1700. Es sei anzunehmen, dass die Zerstörung der Vorgängerkirche im Dreißigjährigen Krieg im Jahr 1638 erfolgte, denn von da an bis 1687 habe es keinen Pfarrer im Ort gegeben. Salzhändler Laging und seine Frau als Gutsherrn sorgten für weitreichenden Wiederaufbau, auch der Kirche. Dass das heutige Erscheinungsbild aber nicht ganz mit dem von 1710 übereinstimmt, haben drei Architekten bei Untersuchungen herausgefunden: 1805 bis 1810 muss unter Arnold von Eckardstein noch manche Veränderung stattgefunden haben.

Märkische Oderzeitung vom 15. Juni 2010

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