REPARATUR: Exkurs in die Geschichte

Für 50 000 Euro wird der Zempower Kirchturm saniert

ZEMPOW - Jann Branding ist auf jede seiner acht Kirchen stolz. Vor allem, dass sie in den zurückliegenden Jahren alle saniert werden konnten. "Fünf sind komplett fertig", berichtet der Pfarrer der Kirchengemeinde Zechliner Land, der zusätzlich auch noch fünf Gemeinden um Rheinsberg betreut.

Als eine der letzten Arbeiten wird zurzeit der Turm der Kirche in Zempow saniert. Das ist der entlegenste Ortsteil der Stadt Wittstock. "50 000 Euro hat die Kirchengemeinde dafür aufgebracht", sagt Branding nicht ohne Stolz. Dabei lässt der Pfarrer nicht unerwähnt, dass die Zempower selbst fleißig Geld eingesammelt haben. Die genaue Summe kann er nicht nennen, aber es seien gut über 5000 Euro. Bei den anderen Kirchen in seinem Zuständigkeitsbereich hatten sich auch die Landeskirche und der Kirchenkreis finanziell an der Sanierung beteiligt.

An der Kirche in Zempow ist der 35 Meter hohe Turm bis über die nun leere Turmspitze eingerüstet. "Er ist der höchste Turm aller Kirchen in meiner Gemeinde", so Branding. Gegenwärtig ragt an der Spitze nur ein Holzstummel in den Himmel, die Bekrönung mit der Kupferkugel und dem Kreuz wurden fachgerecht abgenommen und werden zurzeit am Boden aufwändig restauriert.

Als vor einigen Wochen das Turmkreuz abgenommen wurde, konnte die Kupferkugel nach über einem Jahrhundert geöffnet werden und gab ihren Inhalt preis. Zu Tage kamen ein verwittertes Bündel Papier und einige Münzen. Doch gerade der Inhalt war das Interessante an der Sache. Vorsichtig hält der Pfarrer eine Rolle in der Hand. Dabei handelt es sich um die "Königlich privilegierte Berlinische Zeitung" Vossische Zeitung vom 10. Oktober 1905. Das Papier ist vergilbt und die Texte sind nur noch lückenhaft zu lesen. Jann Branding findet eine Anzeige, in der kalifornischer Feigensirup angeboten wird, der gegen Magenverstimmung und andere Leiden helfen soll. Außerdem lädt ein Berliner Wassersportclub zu einem nationalen Schwimmfest ein.

Und dann entdeckt der Pfarrer noch ein Papierbündel. Es ist die "Chronik von Flecken Zechlin und den umliegenden Ortschaften" von 1904. Dass das Büchlein total verwittert und nicht mehr lesbar ist, sei nicht so schlimm. "Die vom Kantor und Lehrer Albrecht geschriebene Chronik haben wir in unserem Archiv", erzählt Jann Branding, der sich danach den Münzen zuwendet.

Bei der größten handelt es sich um einen sogenannten Vereinstaler aus dem Jahre 1862. Die silberne Münze zu einem Pfund ziert das Portrait von König Wilhelm I. Auf dem Zwei-Mark-Stück von 1904 ist dann Wilhelm II., der Deutsche Kaiser und König von Preußen, zu sehen. Es handelt sich um den kompletten Münzsatz dieser Zeit, zu dem noch eine und eine halbe Mark sowie 50-, 10-, 2- und 1-Pfennig-Geldstücke gehören.

Der Pfarrer geht davon aus, dass die Sanierung des Turmes in einigen Wochen beendet werden kann. Abhängig sei das von der Restaurierung der Turmbekrönung. Während die Schiefereindeckung weitgehend abgeschlossen ist, sind noch einige Verfugungsarbeiten am Mauerwerk zu erledigen. Zu denen, die sich von den Arbeiten nicht stören lassen, gehört eine Falkenfamilie. In einem Hohlraum an der einstigen Turmuhr haben die geschützten Vögel Quartier bezogen. Hier gibt es ein Nest mit fünf Eiern, wohlbehütet von den Falken, die nach der Brut auf Nachwuchs hoffen. (Von Jürgen Rammelt)

Märkische Allgemeine vom 17. Juni 2010

   Zur Artikelübersicht