Quitzower Kirche aufs Dach gestiegen

von Doris Ritzka

 
Fachleute unter sich: Ausgesucht werden die Biberschwänze fürs neue Dach.

QUITZOW - Das Gotteshaus von Quitzow ist endlich eingerüstet. Jetzt kann es losgehen. Dr. Andreas Draeger, Vorsitzender des Bauausschusses des Kirchenkreises Perleberg-Wittenberge, atmet durch. Das Kirchenschiff soll von Grund auf saniert werden und notgedrungen eben auch der Traufbereich. "Es wird allerhöchste Zeit", gesteht er offen ein. Doch alleine mit gutem Willen ist da eben nichts zu machen. Die Finanzierung muss stehen. Mit veranschlagten 65 000 Euro ist das Projekt eines der größten in diesem Jahr, das sich der Kirchenkreis Perleberg-Wittenberge auf die Fahnen geschrieben hat. "Im Alleingang ist so etwas nicht mehr zu bewerkstelligen", betont der Bauausschussvorsitzende. Zwei Drittel der Kosten teilen sich Kirchgemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche. Geld kommt zudem vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. , vom Landkreis, der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmale und der Stiftung der Bank für Kirche und Diakonie.

Gerüstbauer, Dachdecker, Maurer und Zimmerleute bestimmen ab nächster Woche an der Quitzower Kirche das Bild. "Wir haben vier bis fünf unterschiedliche Ziegelarten am Ortgang und im Traufbereich. Es hat teilweise schon durchgeregnet", erläutert Peter Wieck. Er ist Bauberater im Kirchenkreis.

An die 18 000 neue Biberschwänze sollen künftig das Gotteshaus vor allen Unbilden des Wetters schützen. Übrigens, die alten Handformbiber werden sorgfältig heruntergenommen. Sie werden im Eingangsbereich des Anbaus an der Südseite wieder eingedeckt. Ebenso wie jene, die noch auf dem Kirchenboden lagern. "Die haben wir damals von einem Haus in Uenze geholt", weiß Johannes Guhl zu berichten. Er war Kirchenältester, ist jetzt 76 Jahre alt, hat die Funktion abgegeben, engagiert sich aber weiter ehrenamtlich.

Doch nicht nur das Dach des Schiffes muss komplett neu eingedeckt werden, in Teilen wird die Holzkonstruktion, sprich Sparren, Schwellhölzer und Deckenbalken ergänzt bzw. ausgebessert, und auch die Maurer haben allerhand zu tun im Bereich des Trauf werks. Denn etliche alte Klosterformatsteine müssen ersetzt werden. Zudem sollen auch noch etwa 30 Quadratmeter Mauerwerk neu verfugt werden. "Ansonsten wird an der Fassade aber nichts getan", fügt Dr. Draeger an. Auf sämtliche Arbeiten hat nicht nur die Denkmalbehörde immer ein Auge, sondern auch Franziska Peker. Sie ist Restauratorin und begleitet das Projekt. "Schließlich ist die Quitzower die ältestes Dorfkirche in der Prignitz. Sie wurde im 13. Jahrhundert erbaut", begründet Dr. Draeger die besondere Sorgfalt, die man hier walten lässt. Insbesondere der Putz in den Fensterleibungen und Stützen habe die Jahrhunderte überdauert. Hier erhofft man sich unter anderem Aufschluss, wie damals die Zusammensetzung des Mörtels war.

Bereits im März ging es in Quitzow ans Kirchendach, genauer gesagt an Adebars Behausung, die hier ihren Platz hatte. Aufgrund der geplanten Bauerei stand ein Umzug an. Rund 150 Meter Luftlinie von der alten "Wohnung" entfernt steht nun die neue. Und scheinbar ist jene genau nach dem Geschmack des Weltenbummlers. Er hat sie nicht nur gleich in Besitz genommen, sondern auch gebrütet, wie Weißstorchbetreuer Falk Schulz berichtet.

Der Prignitzer vom 18. Juni 2010

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