RELIGION: Gotteshaus auf acht Rollen

Fröhdens Kirche ist restauriert und hat nun ein eigenes Schild an der Fläming-Skate

FRÖHDEN - Mit einem Festgottesdienst wurde das evangelische Gotteshaus in Fröhden wieder eingeweiht. Die sonntägliche Andacht hielt Pfarrer Bernhard Gutsche aus Jüterbog, zu dessen Pfarrbereich Sankt Nikolai die Fröhdener Gemeinde gehört.

Anlass für den Gottesdienst war der Abschluss der umfangreichen Rekonstruktions- und Bauarbeiten an dem altehrwürdigen Gemäuer. Stolz und schmuck herausgeputzt, steht das für den kleinen Ort recht gewaltige Bauwerk nun da. Pfarrer Gutsche blickte in seiner Predigt zurück in die wechselvolle Geschichte der Kirche. Er dankte den Bauleuten für ihr engagiertes und fachgerechtes Wirken. Begonnen wurde im Jahr 2008 mit der Restaurierung des Kirchturmes. Im vergangenen und diesem Jahr waren die zu bewältigenden Aufgaben noch größer. Die Außenfassaden wurden saniert, das Dach mit Steinen vom Typ Biberschwanz neu eingedeckt.

Nach dem Festgottesdienst bat Pfarrer Gutsche die Bauleute vor den Altar, damit sie den zahlreich erschienenen Besuchern erläutern konnten, was eine solche Sanierung überhaupt bedeutet. Wolfgang Schwarz vom Planungsbüro IBS schilderte sehr anschaulich, wie unter anderem zahlreiche bürokratische Hürden zunächst zu überwinden waren. Es mussten Anträge gestellt und Baugenehmigungen eingeholt werden. Auch die Denkmalpflege hatte ein gewichtiges Wort mitzureden. "Aber, ich denke, das Werk ist zur Zufriedenheit aller gelungen", sagte der Bauplaner.

Knackpunkt war vor allem der hölzerne Dachstuhl. Er ist zwar Kernholz, aber im Laufe der Jahrzehnte hat ihm Feuchtigkeit zugesetzt. Nur besonders gefährdete Stellen wurden imprägniert.

Die Baulose für die einzelnen Gewerke wurden vollständig an Unternehmen aus der Region vergeben. Rund 255 000 Euro haben die Rekonstruktion des Turmes, des Kirchengebäudes sowie der Nebengebäude gekostet. Finanziert wurde das mit Fördermitteln auf der Basis des Staatskirchenvertrages zwischen Land und Kirche, mit Zuschüssen von der brandenburgischen Landeskirche und des Denkmalschutzes sowie mit Eigenmitteln.

Nach dem Festgottesdienst, der musikalisch von Posaunenbläsern aus Jüterbog und Oehna sowie dem Organisten Peter-Michael Seifried aus Berlin umrahmt wurde, gab es noch einen weiteren Höhepunkt. Unmittelbar an der Fläming-Skate wurde ein buntes Hinweisschild im typischen verspielten Stil der Wegweiser des Streckennetzes enthüllt. Es weist auf das Gotteshaus hin, das nunmehr in den Status einer offenen Kirche und zugleich "Skaterkirche" erhoben wurde.

Die Lage ist günstig. Denn Fröhden liegt gleich an zwei Rundkursen. Skater und Radler können nun in das Gotteshaus einkehren, und es besichtigen oder auch Andacht halten. Gefertigt wurde das Schild von der Firma Sik-Holz in Langenlipsdorf. Es zeigt eine Nachbildung der Kirche, die auf Rollen steht wie in Inline-Rollschuh. Enthüllt wurde das Schild von Ortsvorsteher Siegfried Klute und von Richard Schulze, der gemeinsam mit Hilde Hinze seit vielen Jahren die Schlüsselgewalt über die Fröhdener Kirche innehat.

Anschließend wurde fröhlich gefeiert. Für das leibliche Wohl sorgten Kameraden der Sondereinsatzgruppe des Malteser-Hilfsdienstes Jüterbog.

Pfarrer Bernhard Gutsche ist sich ziemlich sicher, dass die Fröhdener die erste Skaterkirche in der Region ist. Dieselbe Idee gibt es für Heinsdorf, wo ein Verein seit 2007 die verfallene Kirche wieder aufbaut (die MAZ berichtete). (Von H.-Dieter Kunze)

Märkische Allgemeine vom 22. Juni 2010

   Zur Artikelübersicht